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Die Hände sind wie die Flügel

21.12.2021 05:30, Von Patrick Reichardt — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es kommt auf den Absprung an. Passt der, können Skispringer sich kurz wie ein Vogel fühlen. Was noch wichtig ist in dieser Sportart, erklärt der frühere Profi Sven Hannawald.

Pius Paschke aus Deutschland in Aktion. Beim Skispringen können sich die Sportler kurz wie Vögel fühlen.  Foto: Hendrik Schmid
Pius Paschke aus Deutschland in Aktion. Beim Skispringen können sich die Sportler kurz wie Vögel fühlen. Foto: Hendrik Schmid

In die Hocke gehen, losfahren und abspringen! So einfach sieht Skispringen aus. Doch wer die Sportart betreibt, muss viel üben. Mut braucht es auch! Bewundern kann man die besten Springer in den Tagen rund um Silvester. Bei der Vier-Schanzen-Tournee treten sie mehrmals gegeneinander an. Der frühere Skispringer Sven Hannawald hat diese Tournee schon gewonnen. Er erklärt, worauf es dabei ankommt.

Herr Hannawald, worauf müssen Skispringer achten, wenn sie die Schanze hinuntergleiten?

Dass sie sich nicht ablenken lassen und sich darauf konzentrieren, was man gewohnt ist. Es kommt dann auf den Absprung an. Man muss das zeigen, was man gelernt hat.

Was kann schiefgehen?

Im Anlauf geht wenig schief. Früher gab es noch keine gefrästen oder geführten Spuren, das ist jetzt anders. Nach dem Absprung darf man nicht mit dem Körper zu sehr in Richtung Ski gehen. Da geht es viel um Gefühl.

Worauf muss man beim Absprung achten?

Beim Absprung kommt es auf den perfekten Zeitpunkt an. Es geht aber auch da um die Haltung des Oberkörpers. Auch der Winkel von Schanzentisch zur Hüfte ist entscheidend. Als Vergleich: Auf einem Stuhl richtet man sich normalerweise nach oben auf, wir dagegen stürzen uns nach vorn.

Merkt man eigentlich schon beim Absprung, ob es ein guter oder schlechter Sprung ist?

Ja, das merkt man. Wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, merkt man, wie die Kräfte übergehen. Man hat dann eine automatische Drehung und kann schön fliegen.

Was kann man in der Luft noch verändern?

Man könnte es stark beeinflussen, wenn man den Körper nach oben zieht. Dann würde man aber Geschwindigkeit und Weite verlieren und früher landen.

Woran denkt man als Skispringer, während man fliegt?

Wenn man nach dem Absprung Höhe gewinnt, ist das ein besonderer Zustand. Den kann man unheimlich genießen. Das kommt dem Fliegen sehr nahe. Man ist wie ein Flugzeug, die Hände sind wie die Flügel, mit denen man etwas korrigieren kann. Man denkt aber auch schon an die Landung.

Worauf kommt es beim Landen an?

Wichtig ist, dass man sich vom Schwerpunkt immer mittig hält. Wenn man zu weit nach vorne springt, ist die Gefahr, dass man nach vorne überkippt. Nach hinten ist es nicht so wild, weil wir bei der Landung einen gewissen Halt haben.

Warum ist es schwierig, nach weiten Sprüngen vernünftig zu landen?

Der Hang wird immer flacher. Dann wird es immer schwieriger einzuschätzen, wie schnell ich nach der Landung weiterfahren kann. Das einschätzen zu können, ist für erfahrene Skispringer besser und einfacher. Wenn jemand immer normal mitspringt und plötzlich ganz weit springt, hat er vielleicht mehr Schwierigkeiten. Da braucht man ein gewisses Gefühl, das ist eine Art Übungssache.

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