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Die Flussmeisterin kümmert sich um fast 400 Flusskilometer

23.08.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Marion Grosse-Sudhues mag Flüsse. So sehr, dass sie Flüsse zu ihrem Beruf gemacht hat. Denn Marion Grosse-Sudhues ist eine Flussmeisterin. Ein bisschen wundert man sich schon, wenn man Marion Grosse-Sudhues an ihrem Arbeitsplatz besucht: In Garagen parken Bagger und Autos. Auch Werkzeug liegt dort. Auf einer Wiese grasen Schafe. Und dann steht da noch ein großes, weißes Haus. Es sieht ein bisschen aus wie ein Schloss.

Grosse-Sudhues überlegt sich, was an einem Fluss alles zu tun ist.  Foto: Stefanie Paul
Grosse-Sudhues überlegt sich, was an einem Fluss alles zu tun ist. Foto: Stefanie Paul

Hier hat Marion Grosse-Sudhues ihr Büro. Aber einen Fluss entdeckt man nicht. Dabei ist Marion Grosse-Sudhues Flussmeisterin von Beruf.

„Keine Angst, hier gibt es einen Fluss. Er versteckt sich gleich hinter dem Deich“, verrät die 36-Jährige.

Flussmeisterin zu sein, bedeutet unter anderem: Sie passt darauf auf, dass es den Flüssen gut geht. Zumindest den Flüssen in Bayern. Denn solche Flussmeister wie Marion Grosse-Sudhues gibt es nur in diesem Bundesland.

Seit vier Jahren arbeitet Marion Grosse-Sudhues in dem Beruf. Für fast 400 Kilometer Fluss ist sie dabei verantwortlich. So zum Beispiel für ein Stück der Isar. Das ist einer der größten Flüsse Bayerns.

Alle ihre Flüsse kennt die Flussmeisterin sozusagen auswendig. Sie weiß, wo der Fluss Moosach breiter wird und wo enger. Sie kennt sich aus, an welchen Stellen es schnell oder langsam strömt. Wenn man viel mit Flüssen zu tun habe, dann lerne man das einfach mit der Zeit, sagt sie.

Solche Dinge genau zu wissen, ist wichtig für ihren Beruf. Denn sie überlegt sich, was an dem Fluss zu tun ist. Dabei schaut sie nicht nur auf das Wasser. Sie hat dabei auch die Tiere und Pflanzen im Blick. „Da hat man einen ganzen Haufen Verantwortung“, sagt Marion Grosse-Sudhues.

Jedes Jahr muss sie einen Plan machen. In diesem steht, was für größere Bauarbeiten anstehen. Die Flussmeisterin überlegt zum Beispiel, ob eine Fischtreppe gebaut werden muss.

Die Fischtreppe hilft den Fischen, an Hindernissen im Fluss vorbeizukommen. So gelangen sie in Bereiche im Wasser, wo sie ihre Eier ablegen können. Die Flussmeisterin baut dann zum Beispiel zusammen mit ihren Arbeitern Treppchen im Fluss ein. So können die Fische von Treppe zu Treppe schwimmen – und sich zwischendrin sogar ausruhen

Schilder oder Steine zeigen die richtige Stelle an

Das Ufer ist kaputt! Ein Hochwasser hat einen Teil des Ufers mit sich fortgerissen. Ein großes Erdloch ist so in der Uferwand entstanden. „Das Wasser kann immer mehr Erde wegspülen, das ist nicht gut“, sagt Flussmeisterin Marion Grosse-Sudhues. Das Ufer muss repariert werden. Aber wo genau ist die kaputte Stelle?

„Man muss genau wissen, wo das Ufer beschädigt ist. Damit die Arbeiter mit ihren Maschinen schnell die Stelle finden“, sagt Marion Grosse-Sudhues. Dabei helfen Schilder oder Steine, die entlang des Flusses aufgestellt sind. Sie zeigen die Flusskilometer an. So kann die Flussmeisterin sagen: Die kaputte Stelle ist zwischen Kilometer 114,2 und 114,4.

Gezählt werden die Flusskilometer manchmal ab der Mündung. Also ab jener Stelle, wo der Fluss in das Meer fließt oder sich mit einem anderen Fluss trifft. Bei manchen Flüssen beginnt man mit dem Zählen aber an der Quelle. Das ist der Ort, wo der Fluss entspringt.

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