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Die Feinstaub-Fresser

29.04.2017 00:00, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Jahr lang wird untersucht, ob Mooswände das Umweltproblem lindern können

Man kann ihn meistens nicht sehen, trotzdem ist er da. Und er kann uns krank machen: der Feinstaub. In Stuttgart versuchen Experten nun das Feinstaub-Problem zu lösen – mit Hilfe von Moos!

Das Moos könnte helfen, den Anteil des Feinstaubs in der Luft zu verringern. Foto: Lino Mirgeler
Das Moos könnte helfen, den Anteil des Feinstaubs in der Luft zu verringern. Foto: Lino Mirgeler

Mit einem Kleber haben es Menschen schon probiert. Auch mit speziellen Kehrmaschinen. Jetzt wollen sie an das Problem anders herangehen – und zwar mit Moos. Um was für ein merkwürdiges Problem es da geht?

Das Problem heißt Feinstaub. Normalerweise kann man ihn nicht sehen, denn er besteht aus winzig kleinen Teilchen. Der Staub steckt zum Beispiel in den Abgasen unserer Autos. Auch Heizkraftwerke spucken Feinstaub aus, und viele der Öfen, die bei uns zu Hause stehen.

In Stuttgart gibt es besonders viel Feinstaub. Das hat etwas mit der Lage der Stadt zu tun. Sie liegt in einem Tal und ist fast rundherum von Bergen eingeschlossen. Deshalb kann sich das Zeug dort besonders gut ansammeln.

Feinstaub kann krank machen. Deshalb will man in Stuttgart etwas gegen das Problem tun. Helfen sollen dabei Moose. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Moose prima Feinstaub aus der Luft bekommen. Zumindest klappte das im Labor. Nun wird getestet, ob das auch draußen funktioniert.

Entlang einer viel befahrenen Straße bauten Fachleute eine spezielle Wand auf. Sie ist mit Moos bepflanzt. Das sieht ein bisschen so aus, als hinge dort ein riesiger, grüner Teppich. Ein Jahr lang untersuchen Forscher, ob die Moose eine Lösung für das Feinstaub-Problem sein könnten. Doch wie soll das funktionieren?

Sonja Thielen kümmert sich um die Moose und verrät: „Im Gegensatz zu anderen Pflanzen haben Moose keine Wurzeln. Das bedeutet, sie nehmen alle wichtigen Stoffe, die sie zum Wachsen brauchen, über ihre Blätter auf.“

So ein wichtiger Stoff ist zum Beispiel Ammonium-Nitrat. Das ist ein Salz – und von dem ist besonders viel im Feinstaub drin. „Das Ammonium-Salz bleibt an den Blättern haften und wird von den Moosen sozusagen verdaut“, erklärt die Expertin.

Auch andere Teilchen des Feinstaubs verfangen sich an den kleinen Blättern der Moose. Diese können von den Moosen zwar nicht verdaut werden – aber sie werden festgehalten. „Die Teilchen verrotten zusammen mit dem Moos und beides wird zu Humus“, sagt Sonja Thielen.

Und noch einen Trick haben die Moose auf Lager: Auf den Blättern leben Bakterien. Das sind winzig kleine Lebewesen. Sie ernähren sich ebenfalls von Stoffen, die im Feinstaub enthalten sind.

Einmal in der Woche nimmt Sonja Thielen Proben von der Mooswand und untersucht sie unter dem Mikroskop. „Wir wollen zum Beispiel schauen, wie viel Feinstaub sich auf den Blättern angesammelt hat, ob es den Moosen gutgeht und ob sie vielleicht sogar gewachsen sind“, sagt die Forscherin. Wer weiß, vielleicht können die Moose bei dem Feinstaub-Problem wirklich helfen.

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