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Der Weg zu den Zaubersteinen Kunst findet man in Galerien, auf Plätzen und anderen Orten, manchmal sogar in der Landschaft

22.06.2013 00:00, Von Julia Lutzeyer — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Habt ihr schon mal etwas von Andy Goldsworthy gehört? Die Schüler der Gutenbergschule in Lahr würden jetzt rufen: „Ja!“ Denn die haben sich für ihr Kunstprojekt Zaubersteine mit dem britischen Naturkünstler beschäftigt. Aber auch mit Farben und Formen.

Stein an Stein an Stein: Die Schlange in allen Farben des Regenbogens besuchte im vergangenen Herbst ganz unterschiedliche Orte. Sie ließ sich auf dem Pausenhof der Gutenbergschule in der badischen Stadt Lahr blicken. Sie zog in die Bücherei ein und wand sich im Stadtpark um einen Baum. Im Wald machte sie sich richtig lang und verwandelte die Natur in eine Art Galerie unter freiem Himmel.

Die Viertklässler hatten für ihr Kunstprojekt Zaubersteine richtig geschuftet. Sie hatten die faustgroßen Kieselsteine bemalt, sie kistenweise an die jeweiligen Ausstellungsorte geschleppt, die Zaubersteine dann nach Farben sortiert und in wechselnden Formen immer wieder sorgfältig ausgelegt. Mal zu einem Kreis, mal zu einer Schlangenlinie, mal zu einem Muster mit Querverbindungen. Welche Formen möglich sind, hatten sie zuvor mit Hilfe von Seilen auf dem Pausenhof ausprobiert. Und auch zum Thema Farbe hatten sie mit ihrer Lehrerin Ria Schedlbauer jede Menge Experimente gemacht. Zum Beispiel mit den Grundfarben Rot, Gelb und Blau und den daraus mischbaren Zwischentönen. Sie legten Farbkärtchen aneinander und sprachen über die Wirkung.

2012 hat die vierte Klasse der Gutenbergschule mit ihrer Zaubersteine-Idee den dritten Platz beim Kreativwettbewerb „Zauberhaft“ der L-Bank gewonnen. Schon damals erzählten nur noch Fotos, ein Videofilm und ein schriftlicher Bericht über die Vorbereitungen und die Durchführung des gemeinsamen Kunstprojekts. Schließlich konnten die Zaubersteine nicht ewig in der Bibliothek oder im Wald bleiben. Auch wenn das Original nicht mehr zu sehen war: Die Jury ließ sich von der Idee und seiner Umsetzung verzaubern. Gerade auch, weil in dem Projekt viel mehr drinsteckt, als man sieht. Zum Beispiel, dass sich die Viertklässler am Anfang Geschichten über den Regenbogen erzählten und sich durch ein Prisma die Farben anschauten. Prisma nennt man einen geometrischen Glas- oder durchsichtigen Kunststoffkörper, mit dem man das Licht brechen kann. Dann sieht man die einzelnen Farben des Regenbogens.

Auch die Auseinandersetzung mit der Kunstrichtung Land Art oder Natur-Kunst (siehe Lexikon) lag auf dem Weg zu den Zaubersteinen. Ein Vertreter dieser noch recht jungen Kunstrichtung ist der 1956 geborene Brite Andy Goldsworthy. Mit Steinen, Wurzeln, Blättern, Holzstäben und vielen anderen natürlichen Materialien hat er wundersame Gebilde in die Natur gesetzt. Lange blieben sie dort nicht. Aber durch Fotos in Büchern sind viele seiner Werke noch heute zu sehen. Manche sehen aus wie riesige Wespennester, Blütenfächer oder Gitterzäune. „Den Viertklässlern gefielen vor allem seine Legearbeiten aus farblich unterschiedlichen Blättern“, erinnert sich Ria Schedlbauer. Sie betreute das Kunstprojekt. „Und sie fanden es toll, wie aus alltäglichen, kaum beachteten Dingen etwas Auffälliges entstanden ist.“ Einfach nur durch eine geschickte Anordnung. Die war dann auch bei den Zaubersteinen wichtig.

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