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Der Waldrapp lernt das Fliegen

18.11.2020 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Waldrapp ist ein außergewöhnlicher Vogel

In Deutschland war der Waldrapp fast 400 Jahre lang ausgestorben. Doch nun wollen Forscher den seltenen Vogel wieder ansiedeln. Und mehr noch: Die Tiere sollen sich wieder wie richtige Zugvögel verhalten.

Mit ihren menschlichen Zieheltern finden die jungen Vögel ihren Weg nach Süden.
Mit ihren menschlichen Zieheltern finden die jungen Vögel ihren Weg nach Süden.

MUTTERS. Wie bringt man einem Vogel bei, dass er den Winter im Süden verbringen soll? Ganz einfach, man setzt sich in ein kleines Flugzeug und zeigt es ihm. Mit dem Flugzeug fliegt man über die Alpen, mehr als 1000 Kilometer weit, bis nach Italien. Klingt abgefahren, oder? Aber Anne-Gabriela Schmalstieg und ihre Kollegen haben genau das gemacht und zwar mit dem Waldrapp.

Vielleicht fragst du dich jetzt: ein Waldrapp? Das sind außergewöhnliche Vögel. Sie haben etwa die Größe einer Gans, ihr Gefieder ist glänzendschwarz mit grünlichem Glanz, der Schnabel sehr lang und gebogen. Die erwachsenen Tiere haben eine Glatze.

Dieser Vogel ist allerdings extrem selten!

Früher lebte der Waldrapp auch bei uns in Deutschland. Doch vor etwa 400 Jahren wurde er hier ausgerottet. Sehen kann man die Vögel deshalb fast nur noch im Zoo. Da aber kommen Anne-Gabriela Schmalstieg und ihre Kollegen ins Spiel. Seit einigen Jahren versuchen sie, den Waldrapp wieder in Deutschland anzusiedeln. Die Forscher haben aber noch größere Pläne: Sie wollen dem Vogel beibringen, in weit entfernte Regionen zu fliegen und wieder zurückzukehren. „Denn der Waldrapp ist ursprünglich ein Zugvogel“, erzählt die Expertin.

Allerdings kennen die Jungtiere die Strecke in den Süden nicht von selbst. „Sie müssen sie von ihren Eltern erlernen und zwar im ersten Jahr“, erklärt die Fachfrau. Und was macht man, wenn es keine Eltern gibt, die das beherrschen? Hier springen Menschen wie Frau Schmalstieg als Ersatzeltern ein.

Sechs Jahre lang hat sie Jungvögel aus einem Tierpark mit der Hand aufgezogen. Tag und Nacht hat sie sich um sie gekümmert und mit ihnen mehrere Monate für den großen Tag trainiert. Einmal im Jahr starten die Forscher dann jeweils mit 32 Jungvögeln Richtung Süden. Die Ersatzeltern sitzen mit zwei Piloten in Ultraleicht-Flugzeugen, die Jungvögel fliegen nebenher. Das Ziel ist ein Vogelschutzgebiet in der Region Toskana in Italien. „Das ist der nördlichste Platz, an dem die Vögel problemlos überwintern können“, erklärt die Forscherin.

Der Flug ist eine echte Herausforderung. „Man fliegt extrem dicht neben den Vögeln, sodass man die Tiere zum Teil anfassen kann“, berichtet Frau Schmalstieg. Wenn alles nach Plan läuft, ziehen die Vögel mit spätestens drei Jahren wieder Richtung Deutschland, lassen sich nieder, bekommen Junge und ziehen gemeinsam mit diesen im Herbst wieder los.

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