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Den Computer auf der Nase Dank besonderer Stoffe könnte es bald Brillen mit einem Computerbildschirm geben

31.05.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mit einer Brille kann man Dinge in der Umgebung meistens besser erkennen. Forscher entwickeln nun aber Brillen, mit denen man noch mehr sehen kann, nämlich: die Umgebung und das Bild, das ein Computer liefert.

(dpa) Stefan hat sich in der Stadt verirrt. Aber kein Problem – er lädt sich einfach den Stadtplan auf seine Brille. Nun sieht er sich direkt vor seinen Augen an, wo die Straße hinführt. Die Brille gibt ihm auch noch den Tipp, dass sich um die Ecke eine U-Bahn-Haltestelle befindet. Klingt nach einer Geschichte aus der Zukunft. Doch Forscher tüfteln gerade wirklich an Brillen, die solche Dinge können. Sie heißen Daten-Brillen.

Die Internetfirma Google verkauft sogar schon eine Testversion ihrer Daten-Brille. Die hat zum Beispiel einen kleinen Bildschirm zum Ausklappen. Darauf kann man sich einen Stadtplan anzeigen lassen.

Auch Forscher an einem Institut in der Stadt Dresden im Bundesland Sachsen basteln an solchen Brillen. Bei ihnen soll das Gerät allerdings ein bisschen anders aussehen. Sie wollen einen hauchdünnen Bildschirm direkt in den Brillengläsern verstecken.

Das klappt mit besonderen Stoffen. Sie heißen organische Leuchtdioden. Das sind Materialien, die man als Schicht auftragen und leuchten lassen kann. Diese Schicht ähnelt einer sehr dünnen Folie aus Plastik. „Die Leuchtdioden werden vielleicht bald unsere Lampen und Displays ersetzen“, sagt Karsten Fehse. Er gehört zu den Leuten, die an den leuchtenden Stoffen forschen.

Weil eine Schicht dieser Leuchtdioden so dünn ist, passt sie auch in ein Brillenglas hinein. „Unsere Brille braucht also keinen zweiten Bildschirm an der Seite. Er erscheint direkt im Sichtfeld.“ Wer diese Daten-Brille trägt, sieht also doppelt: seine Umgebung und das Bild des Displays.

Doch die Brille aus Dresden kann noch mehr: Der Bildschirm lässt sich mit den Augen steuern. Der Experte erklärt: „Dadurch braucht man keine Tasten und Schalter mehr, um das Display zu bedienen. Es reagiert darauf, wo die Augen gerade hingucken.“ Das soll dann so aussehen: Die Brille zeigt zum Beispiel eine Weltkarte. Alle Kontinente der Erde leuchten in einem satten Grün, links ist Nord- und Südamerika, rechts unten Australien. Will man sich Australien genauer angucken sieht man nach rechts. Die Brille reagiert sofort: Sie ändert den Ausschnitt der Weltkarte automatisch – und rückt Australien in die Mitte.

Noch ist die Daten-Brille aus Dresden aber nicht fertig. Sie hängt an einem Stromkabel und fällt etwas zu groß aus. Es ist auch noch keine Computertechnik eingebaut, mit der man zum Beispiel im Internet surfen kann. Es muss also noch ein bisschen an der Brille getüftelt werden.

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