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Das Geheimnis der Dunkelkammer

31.08.2020 05:30, Von Ginette Haußmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Früher wurden Fotos noch mit Licht, Finsternis und viel Chemie gemacht – Manche nutzen die alte Technik noch immer

Ein weißes Papier wird in eine Schale mit Flüssigkeit gelegt, und dann erscheint ein Bild. Davon ist der Foto-Lehrer Arne Reinhardt immer noch begeistert: „Das war für mich der Anfang der Fotografie.“

Foto-Lehrer Reinhardt hält eine auseinandergebaute Kamera   Foto: Haußmann/dpa
Foto-Lehrer Reinhardt hält eine auseinandergebaute Kamera Foto: Haußmann/dpa

BERLIN Gerade noch ist das Blatt nur weiß. Doch wie aus dem Nichts erscheint langsam ein Schwarz-Weiß-Bild. Es passiert, während das Blatt in einer Flüssigkeit schwimmt.

Das Geheimnis hinter dieser kleinen Zauberei in der Fotografie sind Licht und Chemie. Der Ort dafür nennt sich Dunkelkammer. Dort kennt sich der Foto-Lehrer Arne Reinhardt gut aus.

Zunächst braucht man einen Film aus einer Kamera, die keine digitalen Aufnahmen macht. Stattdessen werden die Bilder auf eine Art Streifen aus Kunststoff gebannt, den Film. Jedes Bild ist dabei kaum größer als eine Briefmarke. In der Dunkelkammer geht es darum, diese Bilder auf spezielles Fotopapier zu übertragen und zu vergrößern. Fotopapier hat mehrere Schichten. Nur dort, wo Licht auf die Schichten trifft, verwandelt sich das Weiß zu Grau oder Schwarz. Weil man aber schlecht ganz im Dunkeln arbeiten kann, brennt in der Dunkelkammer eine rote Leuchte. Denn auf rotes Licht reagieren die Schichten nicht.

Die Belichtungszeit ist sehr wichtig

Zuerst geht es zum Vergrößerer: Das ist ein großes Brett mit einer Stange hinten. An der hängt ein Kästchen mit einer Lampe. Dort hinein kommt das Bild aus dem Film. Wird nun die Lampe des Vergrößerers eingeschaltet, erscheint das Bild auf dem großen Brett. Es ist schwarz-weiß. Arne Reinhardt stellt das Bild scharf und die Größe ein. Dann legt er ein Blatt Fotopapier auf das Brett. Nun endlich darf Licht durch den Film auf das Papier fallen. Die Zeit dabei ist wichtig, erklärt der Foto-Lehrer. „Wenn man ein kleines Papier hat, dann kann so eine Belichtungszeit bei zehn Sekunden liegen.“ Ein großer Abzug hingegen kann Minuten dauern.

Um das Foto auf dem Papier sichtbar zu machen, muss es entwickelt werden. Dazu wird das Blatt in eine Schale mit einer chemischen Flüssigkeit gelegt, dem Entwickler. Nun passiert das kleine Wunder: „Wie scheinbar aus dem Nichts entsteht plötzlich ein Bild. Und zwar an jeder Stelle gleichzeitig. Zuerst kommen die dunklen Stellen und dann kommen die Grautöne“, beschreibt es der Foto-Lehrer.

Ist das Bild gut erkennbar, wird es aus der ersten Schale in eine zweite gelegt. Darin befindet sich eine andere Flüssigkeit. Sie riecht ein wenig nach Essig und sorgt dafür, dass die Entwicklung des Fotos gestoppt wird. Sonst würde es immer dunkler werden. Danach kommt das Blatt in eine dritte Schale: das Fixierbad. Das macht das Foto haltbar. Sonst würde es bald wieder verschwinden. Das fertige Foto wird anschließend gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Danach kann es an die Wand gehängt oder ins Fotobuch geklebt werden.

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