Paulas Nachrichten

Das Abenteuer Hüttenstadt

13.11.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Um eine Hütte zu bauen, braucht man Platz und Eltern, die das erlauben. In der Hüttenstadt in Berlin dürfen Kinder dagegen zimmern, was das Zeug hält. dpa-Nachrichten für Kinder hat das Projekt für euch besucht.

Belle, Kevin und Sinda bereden in der Hüttenstadt Gecekondu, was der Unterschied zwischen einem Nagel und einer Schraube ist. Foto: Karlotta Ehrenberg

An diesem kühlen Herbstmorgen wirkt der große Park fast wie ausgestorben. Nur wenige Jogger und Spaziergänger sind auf dem weiten Gelände in Berlin unterwegs. In der Hüttenstadt ist dagegen schon allerhand los. Hier sind heute Grundschüler am Werk. Die Hüttenstadt ist eine Art Abenteuer-Spielplatz.

Die Schüler wollen hier während einer Projektwoche ein Haus errichten. Die Künstlerin Juliane Wedell hilft ihnen dabei. „Die Hüttenstadt ist ein freier Raum. Hier könnt ihr bauen, spielen und experimentieren, wie ihr wollt“, erzählt sie. Sie zeigt den Schülern die Werkzeuge und Materialien, die sie benutzen können. „Wie das Haus einmal aussieht, ist euch überlassen. Ihr seid hier die Architekten!“

In drei Gruppen aufgeteilt, machen sich die Schüler an die Bauarbeiten. Zuallererst schlagen sie in ein Brett ein paar Nägel ein – so als Probe. Die meisten von ihnen haben nämlich keine Übung mit dem Hammer. Für Sinda ist es sogar das erste Mal: „Ich habe so etwas noch nie gemacht“, erzählt die Sechsjährige.

Neu ist für die meisten auch die Arbeit mit der Säge. Juliane zeigt, wie man das Brett an dem Arbeitstisch festschraubt. „Macht man das nicht, kann man mit der Säge abrutschen und sich verletzen“, erklärt sie. Niemand sollte außerdem vor der Säge stehen. Am Anfang dauert es eine Weile, bis das Sägeblatt richtig im Holz sitzt. „Gar nicht so einfach“, stellt der achtjährige Emre fest.

Am Tag davor hatte schon eine andere Klasse die Grundpfeiler der Hütte errichtet. Und die Schüler hatten auch damit begonnen, die Wände mit Brettern abzudichten. Das Gerüst des Daches – der Dachstuhl – ist auch schon fertig. Jetzt muss er noch gedeckt werden. Mit lautem Gehämmer nageln die Schüler nun Bretter darauf fest. Nisha hat sich den größten aller Hämmer ausgesucht. Die Achtjährige klopft damit von innen die Nagelspitzen ins Holz, die herausragen. „So kriegt die keiner ins Auge.“

Auch die zweite Gruppe ist fleißig mit dem Hammer zu Gange. Sie tischlert eine Sitzbank für das Haus. Emre zieht mit einem Kuhfuß einen Nagel wieder heraus. Ein Kuhfuß ist eine Art großer Haken. „Der Nagel war ganz krumm“, sagt Emre. Jetzt kann er einen neuen Versuch starten, den Nagel einzuhämmern.

In der dritten Gruppe wird unterdessen kräftig gesägt. „Wir machen hier die Tür!“ Die besten Freunde Vincent und Ardian sägen mit der großen Laubsäge die Bretter am Türrand gerade. „Zu zweit geht es leichter.“ Der achtjährige Gebra hat aus dem großen Holzstapel ein verschnörkeltes Stück von einem Möbelstück herausgesucht. „Damit verziere ich unsere Tür!“ Auch Efe ist dabei, das Haus zu verschönern: „Ich bemale hier die Bretter für die Wand!“

Gegen Mittag kann die Arbeit dann bestaunt werden: Die Tür ist eingesetzt, die Wände sind bunt bemalt, die Bank ist fertig und auch das Dach kann nun auf das Haus gesetzt werden. Die Kinder sind allesamt hungrig und erschöpft. Juliane lacht. „Ganz schön anstrengend, so ein Bautag, was?“

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