Paulas Nachrichten

Bunte Blätter, Ruhe und der erste Weihnachtsduft

26.10.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es wird kälter, nasser und schön bunt: Der Herbst ist da! Jeder kann es an den Bäumen sehen, die nun in vielen Farben leuchten. Aber wie riecht er, schmeckt er, hört er sich an?

Dumpf klingen die Schritte von Dietmar Prantl auf dem feuchten Waldboden. Kaum ein Knacken. Die Früchte und kleinen Zweige auf dem Weg sinken einfach in den Boden ein, wenn seine Füße sie erwischen. Im Herbst wird alles ruhiger, sagt der Förster aus Füssen in Bayern. Der Wald bereitet sich auf den Winter vor.

Der Boden ist weich. Trockene Kiefernnadeln liegen auf dem Weg, außerdem Blätter und Ahornfrüchte. Das sind die flügelähnlichen Dinger, die sich wie ein Propeller in der Luft drehen. Auch Bucheckern und Kastanien liegen dort. Im Herbst lassen die Bäume ihre Früchte fallen, damit daraus im Frühjahr neue Pflanzen wachsen können.

In der Luft liegt ein Duft, der an die Adventszeit erinnert. Es riecht nach Weihnachtsbaum und Adventskranz. „Das kommt von den Nadeln der Bäume hier im Wald“, sagt Dietmar Prantl. „Die feuchte Herbstluft transportiert den Geruch besonders gut.“

Am Boden riecht es dagegen modrig – ein bisschen wie muffige Kartoffeln. Die dunkle Oberschicht ist feucht. Blattreste, Wurzeln und kleine Stöckchen lockern sie auf. „Dort entsteht Humus“, sagt Dietmar Prantl. Würmer, Käfer und andere Bodenbewohner zersetzen die Pflanzenreste und helfen so dabei, dass deren Nährstoffe wieder in die Erde gelangen. Im Winter haben die Blätter auf dem Waldboden aber noch eine andere Funktion: Sie wärmen den Boden – wie eine Decke, die man darüberbreitet.

Das nutzen auch viele Tiere, erklärt Dietmar Prantl. Schnecken und Frösche zum Beispiel. Sie verkriechen sich im Herbst in die Erde, damit sie im Winter nicht erfrieren.

Dass ihm auf seinem Weg trotzdem eine Weinbergschnecke und zwei Frösche begegnen, wundert den Förster. „Die sind spät dran“, sagt er. Auch Vögel sind kaum zu hören. Viele haben sich wohl schon auf den Weg in ihr Winterquartier gemacht. Nur eine Amsel, schwarz mit gelbem Schnabel, hüpft in der Nähe auf einem Ast herum.

Diese bleiben aber die einzigen Tiere, die der Förster auf seiner Tour zu Gesicht bekommt. Es bleibt still im Füssener Stadtwald. Wenn Dietmar Prantl kurz stehen bleibt, kann er sogar hören, wie ein Blatt vom Baum abfällt.

Es knackt leise, wenn es hier und dort auf andere Blätter trifft oder einen Ast streift. Dann kann er dabei zusehen, wie es leise zu Boden segelt. Und sich zu den anderen braunen, gelben und manchmal auch noch grünen Blättern gesellt, die den Waldboden schon für den Winter zudecken.

Feine Röhren

Wusstest du, dass ein Baumstamm feine Gefäße hat, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen? Wie winzige Röhren ziehen sie sich durch den Stamm und die Äste.

Dass das so ist, zeigt Förster Dietmar Prantl mit einem kleinen Experiment: Er hat eine Ast-Scheibe und ein Fläschchen mit Seifenlauge dabei. Mit der Lauge kann man tolle Seifenblasen machen – wenn man einen Ring hineintaucht und dann durch ihn hindurchpustet.

Dietmar Prantl streicht die Flüssigkeit aber auf die Ast-Scheibe. Und zwar so, dass eine Seite feucht ist und die andere trocken bleibt. Als er kräftig gegen die trockene Seite pustet, wächst aus der anderen Seite ein Wurm aus Schaum.

Dieser Schaum ist eigentlich nichts anderes als viele kleine Seifenbläschen. Statt durch einen großen Ring hat der Förster durch viele kleine Öffnungen gepustet, durch viele kleine Poren im Holz.

Für den Baum sind diese Poren wichtig. Er transportiert darüber Wasser und Nährstoffe aus dem Boden bis in die Spitzen der Zweige und Blätter. Im Herbst wird dieser Kreislauf aber eingestellt. Stamm und Äste sind dann trocken. Wäre dort noch viel Wasser, könnte es gefrieren und so dem Baum schaden.

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