Paulas Nachrichten

Bis ans andere Ende der Welt

27.04.2019, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die lange Reise der Aale – 6000 Kilometer durch Flüsse und Meere

Sie sehen ein bisschen aus wie Schlangen. Doch Aale sind Fische. Um sich zu vermehren, unternehmen die Tiere eine abenteuerliche Wanderung. Sie schwimmen etwa 6000 Kilometer von Flüssen ins Meer!

Das Tier ist mehr als einen Meter lang, hat eine schleimige Haut und einen silbrig glänzenden Bauch. Die Rede ist von einem Aal, also einem Fisch. Nennen wir unser Tier doch einfach mal Elli und begleiten es auf seiner weiten Reise.

Aale sind beliebte Speisefische.  Foto: Patrick Pleul
Aale sind beliebte Speisefische. Foto: Patrick Pleul

Elli lebt in einem Fluss irgendwo in Deutschland und hat Großes vor: Sie will ihr Zuhause verlassen und sich auf den Weg Richtung Meer machen. Ihr Ziel ist die Sargassosee. Dieses Meeresgebiet liegt mitten im Atlantischen Ozean, etwa 6000 Kilometer weit entfernt. Ungefähr ein Jahr wird Elli dorthin unterwegs sein.

Doch warum zieht es sie ausgerechnet dorthin? Die Sargassosee ist das Laichgebiet der Aale. Das bedeutet, ihr Nachwuchs schlüpft dort aus den Eiern. Das weiß man allerdings nur, weil man da die meisten Larven gefunden hat. „Warum die Aale aber nur dort laichen, ist nach wie vor ein Rätsel“, sagt der Meeresbiologe Moritz Sonnewald.

Fett anfressen für die lange Reise

Bevor sich Elli auf ihre Wanderung macht, frisst sie sich einen Fettvorrat an. Das ist wichtig, weil sie auf ihrer Reise durch den Ozean keine Nahrung mehr zu sich nehmen wird. Denn dort, wo zuvor Verdauungsorgane wie der Darm waren, bilden sich langsam die Geschlechtsorgane.

Die Reise in die Sargassosee ist aber nicht nur wegen der Länge besonders: „Die Tiere wechseln vom Fluss ins offene Meer. Also vom Süßwasser ins Salzwasser“, sagt Moritz Sonnewald. Darauf muss sich der Körper einstellen. Deshalb verändern sich zum Beispiel die Kiemen. Um ihr Ziel zu finden, orientiert sich Elli vermutlich am Magnetfeld der Erde und der Temperatur des Wassers.

Wie sich die Aale fortpflanzen, war lange unbekannt. Selbst heute wissen die Forscher vieles nicht genau. Denn: „Bislang hat man die Tiere noch nicht bei der Fortpflanzung in freier Wildbahn beobachtet“, erklärt der Forscher. Vermutlich paaren sie sich in etwa 500 bis 1000 Metern Tiefe. Danach sterben die erwachsenen Aale.

Ihre Larven haben dann ebenfalls eine abenteuerliche Reise vor sich. Denn von der Sargassosee aus schwimmen die zarten Jungtiere mit den Meeresströmungen wieder in Richtung Europa.

Bis zu drei Jahre sind die kleinen Aale unterwegs. Von den Küsten aus schwimmen sie später die Flüsse hinauf. Einige Jahre später beginnt für die großen Aale die Reise zurück ins Meer – so wie bei Elli.

Verwandlungskünstler Aal

Flussaale verändern sich im Laufe ihres Lebens sehr stark. Je nachdem wie alt sie sind, tragen sie unterschiedliche Namen.

Die nur wenige Zentimeter großen Jungfische werden Glasaale genannt. Denn ihre Haut ist fast durchsichtig. Man kann die Kiemen und das Herz erkennen. Außerdem haben die Tiere noch keine Schuppen.

Wenn die Aale etwas älter sind, nennt man sie Gelbaale. Dann hat sich die Bauchseite gelblich verfärbt.

Die erwachsenen Aale, die sich bald auf die große Wanderung machen, heißen Silberaale oder auch Blankaale. Ihr Bauch hat sich von gelb zu silbrig glänzend gefärbt.

Paulas Nachrichten