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Bewegt von den Geschichten der Kinder 2012 waren 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht: Merima Spahic hilft jungen Betroffenen mit einem Tanzprojekt

21.06.2013 00:00, Von Julia Lutzeyer — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Am Donnerstag war Welt-Flüchtlings-Tag. Da wurden erschreckende Zahlen gemeldet: Im Jahr 2012 waren 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten davon haben ihr Zuhause in den Krisenländern Afghanistan, Somalia, Irak, Sudan und Syrien verlassen. Auch Deutschland nimmt Flüchtlinge auf, zum Beispiel aus Syrien. Das macht Leuten, die in Deutschland leben, auch Angst. Schließlich müssen die Flüchtlinge versorgt werden, und das kostet den Staat viel Geld. Und das fehlt dann für andere Aufgaben.

Tanzpädagogin Merima Spahic
Tanzpädagogin Merima Spahic

Es gibt aber auch Menschen, die möchten den Flüchtlingen helfen. Zu ihnen gehört Merima Spahic. Die 30-jährige Tanzpädagogin weiß, wie man sich als Flüchtlingskind fühlt. Sie war selbst eines. Als in ihrem Heimatland Bosnien und Herzegowina ein Krieg ausbrach, war sie neun Jahre alt. Ihre Familie floh nach Deutschland. Seither lebt Merima Spahic in Stuttgart. Nach ihrer Ausbildung zur Sport- und Tanzlehrerin unterrichtet sie heute Kinder und Jugendliche.

Ein Projekt liegt Merima Spahic besonders am Herzen: Ihre Arbeit mit 25 Flüchtlingskindern im Alter von sechs bis 18 Jahren. „Sie kommen aus dem Iran, aus dem Irak oder aus dem Kosovo“, sagt sie.

Im Tanz können sich die jungen Flüchtlinge ausdrücken und durch Bewegung ihre Geschichte erzählen. Das klappt auch, wenn sie noch kein oder kaum Deutsch sprechen. „Gerade Jugendliche stellen sich Fragen: Wer bin ich? Wo komme ich her? Was sind meine Wurzeln? Bin ich in der neuen Umgebung angekommen?“, erzählt Merima Spahic. Diese Fragen sollen die Kinder und Jugendlichen stellen können, auch wenn Merima Spahic keine Antwort darauf geben kann und will. Die richtigen Worte zu finden ist gar nicht so leicht. Die Tanzlehrerin sagt: „Wenn sie es sagen könnten, bräuchten sie es nicht zu tanzen.“

Am Freitag, 28. Juni, kann man um 17.30 Uhr die Flüchtlingstanzgruppe Swaggy Chuani Beat im Haus der Katholischen Kirche in der Königstraße 7 in Stuttgart in Aktion sehen. Bis zu diesem Tag ist dort auch die Jubiläumsausstellung des Flüchtlingshilfsvereins Refugio zu sehen. Der Fotograf Martin Sigmund hat mit der Kamera festgehalten, wie Flüchtlinge in Stuttgart leben.

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