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Besuch an einem grausamen Ort

21.01.2021 05:30, Von Rebecca Krizak — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wichtige Reisen: Viele Schulklassen schauen sich ehemalige Konzentrationslager an

Lernen geht nicht nur in der Schule oder zu Hause: Immer wieder besuchen Schulklassen dafür auch andere Orte. Manche davon erinnern an schlimme Ereignisse in der Vergangenheit. Trotzdem ist es wichtig, sie zu besuchen. Der Forscher Christian Kuchler erklärt im Interview, warum das so ist.

Am 27. Januar 1945 wurde das deutsche Konzentrationslager Auschwitz von ausländischen Soldaten befreit.  Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB
Am 27. Januar 1945 wurde das deutsche Konzentrationslager Auschwitz von ausländischen Soldaten befreit. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB

AACHEN. Mit der Schule einen Ort besuchen, an dem früher Verbrechen passiert sind? Macht das nicht traurig und vielleicht sogar Angst? Der Forscher Christian Kuchler hat sich Schulbesuche an solchen Gedenkstätten genauer angeschaut und darüber ein Buch geschrieben. Dabei ging es um Orte, die an die Verbrechen der Nationalsozialisten (abgekürzt: Nazis) erinnern. Vor allem ging es um das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz im heutigen Land Polen. Dort brachten die Nazis vor etwa 80 Jahren über eine Million Menschen um.

Herr Kuchler, was ist in Auschwitz passiert?

Das Lager Auschwitz wurde von den Nazis errichtet. Es ist ein Ort, an dem brutale Verbrechen passiert sind. Menschen wurden dort ermordet oder zu schwerer Arbeit gezwungen. Und das nur, weil sie anders dachten oder einen anderen Glauben hatten als die Nazis.

Warum sollten Schulklassen einen so grausamen Ort besuchen?

Weil man vieles von dem, was man weiß oder gehört hat, beim persönlichen Besuch besser verstehen kann. Man merkt: Da ist noch etwas, was damals auch da war. Die Gebäude, die Betten darin – das alles ist anfassbar. So schreiben es die Schüler später auch in ihren Berichten.

Sie haben sich sehr viele dieser Berichte angeschaut.

Genau. Die Schülerinnen und Schüler mussten vor, während und nach der Fahrt darin ihre Eindrücke, Gefühle und ihren Wissenszuwachs aufschreiben. Die Berichte habe ich ausgewertet und daraus ist ein Buch entstanden.

Was haben die Schülerinnen und Schüler geschrieben?

Viele waren auf dem Hinweg unsicher und hatten Angst vor dem, was sie erwartet – vor dem Ort und vor den Informationen dazu. Aber sie waren gleichzeitig auch neugierig. Hinterher schrieben die meisten, sie seien zufrieden, sich dem gestellt zu haben. Sie wollten das, was sie erlebt haben, unbedingt weitergeben. Viele schrieben: Sie wollen ihren Geschwistern und jüngeren Kindern den Rat geben, auch zu fahren, wenn so eine Fahrt für sie ansteht.

Die Besuche solcher Gedenkstätten wie Auschwitz haben mehrere Ziele. Es geht etwa darum, sich zu erinnern, was damals passiert ist – damit solche Verbrechen nicht wieder passieren. Wie gut tragen die Besuche tatsächlich zu den Zielen bei?

Es bringt viel, weil man die Menschenverachtung begreift, mit der die Nazis handelten. Es ist wichtig, sich gründlich im Unterricht auf den Besuch vorzubereiten. Aber man braucht auch danach die Zeit und die Möglichkeit, über das zu sprechen, was man erlebt hat. Was aber auch klar ist: Eine solche Fahrt allein reicht nicht aus. Das ist eine Aufgabe, die über Jahre stattfindet. In den Familien, aber auch im Unterricht.

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