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Aufwachen! Siebenschläfer sind Langschläfer

06.04.2019 00:00, Von Jennifer Heck — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sie können aber auch durch die Bäume flitzen, wenn es stockdunkel ist

Große Augen, kleine Ohren und ein plüschiger Schwanz – viele Bilche sehen aus wie eine Mischung aus Hörnchen und Maus. Die niedlichen Tiere leben auch in Deutschland.

Eingekuschelt liegen die Siebenschläfer in ihrer Box.  Fotos: Jennifer Heck/dpa
Eingekuschelt liegen die Siebenschläfer in ihrer Box. Fotos: Jennifer Heck/dpa

Eine Holzkiste mit Deckel steht in einem Käfig. Sie ist die Schlafkiste von Siebenschläfern. Als Korinna Seybold diese öffnet, surren die Tiere laut. Sie schauen Korinna an und strecken der Frau ihre langen, gelben Nagezähne entgegen. So drohen Siebenschläfer, wenn sie im Schlaf gestört werden.

Guten Morgen! Korinna Seybold öffnet die Schlafkiste der Bilche.
Guten Morgen! Korinna Seybold öffnet die Schlafkiste der Bilche.

Siebenschläfer sind Bilche, diese nennt man auch Schlafmäuse. Das liegt daran, dass sie einen recht langen Winterschlaf halten. Siebenschläfer schlafen etwa von September oder Oktober bis April, Mai oder sogar Juni. Andere Bilch-Arten in Deutschland sind die Haselmaus, der Gartenschläfer und der Baumschläfer.

Siebenschläfer Igor wurde in einem Keller gefunden

„Hey mein Schatz!“, ruft Korinna Seybold und meint damit Siebenschläfer Igor. In ihrem Haus und im Garten pflegt die Frau Wildtiere gesund, denen es nicht gut geht. „Die Siebenschläfer kommen zu mir, weil zum Beispiel ihre Mama getötet wurde“, sagt Korinna. Igor hat wohl nur aus Versehen den Anschluss zu seiner Familie verpasst. „Der ist in einen Keller geklettert, kam da aber nicht mehr raus“, erzählt die Wildtier-Pflegerin.

Eigentlich sind Siebenschläfer tolle Kletterer. „Ihr Schwanz ist eine super Hilfe fürs Gleichgewicht, wenn die Tiere nachts durch die Äste flitzen.“ Dieses Mal ging bei Igor wahrscheinlich ein Kletterversuch schief. Auf der Suche nach Futter oder einem Ausgang muss er in dem Keller in eine Ölwanne gefallen sein. „Er war ganz dreckig und verklebt“, sagt Korinna. Die Eigentümerin des Hauses hat den Siebenschläfer zum Glück gefunden und zu Korinna gebracht.

Tagsüber schlafen Siebenschläfer normalerweise, etwa in Baumhöhlen oder Erdlöchern. Sie suchen sich aber auch andere Verstecke, zum Beispiel in Gartenschuppen oder auf Dachböden. Dort hinterlassen sie häufig Dreck. Deshalb sind die Tiere in Häusern nicht so gern gesehen.

Bei Korinna Seybold hat Igor überwintert. So langsam wacht er jetzt aus dem Winterschlaf auf. Richtig wach wird er aber wohl erst Ende April sein, sagt Korinna. Damit er nicht mehr allein ist, hat sie für ihn eine neue Familie gefunden.

Dazu hat sie ihre Kollegen angerufen und andere einzelne Tiere abgeholt. „Er hat seine Mama verloren und vielleicht auch die Geschwister“, sagt Korinna. „Deshalb brauchte er dringend Artgenossen, mit denen er spielen und sich unterhalten kann.“ Diese Bilch-Gruppe bleibt so zusammen, bis sie Ende April, Anfang Mai ausgewildert wird.

Mit einem Supertrick durch die Nacht

Wenn sie nicht gerade Winterschlaf halten, machen sich Siebenschläfer nachts auf zur Futtersuche. Sie fressen gern Nüsse, Früchte, Samen, aber zum Beispiel auch Insekten und Blätter stehen auf ihrem Speiseplan.

Als Supertrick bei ihren nächtlichen Streifzügen helfen ihnen vor allem ihre guten Sinne und ihr Schwanz: Siebenschläfer können sehr gut riechen und hören. Außerdem haben sie einen guten Tastsinn, mit dem sie sich in der Dunkelheit zurechtfinden. Ihr Schwanz hilft beim Balancieren.

„Bilche laufen auf einer Art Autobahn durch die Bäume“, sagt Korinna Seybold. Häufig genutzte Kletterrouten markieren sie mit Duftspuren. „Dadurch können sie die auch dann entlangflitzen, wenn es stockdunkel ist.“

Diese Bilch-Autobahn ist nicht nur wegen der Futtersuche super. Die Tiere müssen auch schnell fliehen können, wenn ein Feind aufkreuzt. Der Baummarder zum Beispiel.

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