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Auf den Spuren einer alten Trommel

27.10.2018, Von Karlotta Ehrenberg — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Im Museum in Berlin liegt eine alte Trommel aus Afrika und keine weiß so genau wem sie gehört

In vielen Museen sind Gegenstände aus der ganzen Welt zu sehen. Auch im Ethnologischen Museum in Berlin. Wem die Dinge früher gehört haben, weiß man oft nicht. Kristin Weber-Sinn ist dafür zuständig, das herauszubekommen.

Eine Trommel aus Afrika im Ethnologischen Museum Berlin.  Foto: Ethnologisches Museum/Staatliche Museen zu Berlin/Martin Franken
Eine Trommel aus Afrika im Ethnologischen Museum Berlin. Foto: Ethnologisches Museum/Staatliche Museen zu Berlin/Martin Franken

Seltsame Schriftzeichen zieren die alte Trommel. Sie ist aus Holz und einer von unzähligen Gegenständen im Lager des Ethnologischen Museums in Berlin. Doch die Trommel stammt nicht aus Deutschland, sondern aus Afrika. Aber wem gehörte sie? Das wusste man lange nicht. Auch bei vielen anderen Dingen, die in dem Museum gelagert sind, ist es nicht klar.

Kristin Weber-Sinns Aufgabe ist es, die Hintergründe zu den Objekten herauszufinden. Kristin Weber-Sinn ist eine Provenienz-Forscherin. Provenienz bedeutet Herkunft. „Konkret heißt das herauszufinden, wer die Vorbesitzer der Objekte waren. Dazu gehören auch Händler, die die Objekte weiter verkauft haben“, erklärt sie.

Kristin Weber-Sinn hat schon viele Geschichten erforscht. Eine davon ist die der alten Trommel aus Afrika. Das Instrument ist etwa einen Meter lang und 37 Kilo schwer. Es stammt aus dem heutigen Tansania in Ostafrika. Die Region war früher eine deutsche Kolonie. Das bedeutet: Sie wurde vor mehr als 100 Jahren von Deutschland besetzt und beherrscht.

Die Trommel halt wohl einmal einem König gehört

Die Trommel gehörte einem sehr wichtigen Würdenträger der Menschen, die dort lebten. Wie das Zepter eines Königs war die Trommel ein Zeichen seiner Macht. „Sie wurde bei wichtigen Zeremonien gespielt.“ Kristin Weber-Sinn vermutet: Die Trommel wurde diesem Würdenträger einfach weggenommen, und zwar von deutschen Kolonial-Truppen bei Kämpfen vor mehr als 100 Jahren.

Wie aber hat die Expertin das herausgefunden? Zuerst hat sie in den Hauptkatalog des Museums geschaut. Darin wird jedes Objekt des Museums erfasst. Dort stand aber nur, dass die Trommel im Jahr 1897 durch einen deutschen Befehlshaber ins Museum kam. Und dass sie aus der ostafrikanischen Küstenregion Mrima stammt.

Weil die Expertin den Verdacht hatte, dass die Trommel erst aufgrund von Kämpfen zwischen deutschen Truppen und Ostafrikanern in den Besitz Deutschlands kam, ging sie auch ins Bundesarchiv. Dort findet man Unterlagen wie Akten, Karten, Bilder und Filme, die bei zentralen Stellen in der deutschen Geschichte entstanden sind.

Zum Beispiel auch Briefe und Berichte von Soldaten und anderen Deutschen, die damals in Ostafrika waren.

„Hier habe ich eine ganze Menge herausgefunden.“ Zum Beispiel, dass der damalige Würdenträger Ismael von Winde hieß und sich gegen die Herrschaft der Deutschen wehrte. Seine Residenz und sein Haus wurden von den Deutschen zerstört.

Auch wurde er von Deutschen in einem Kriegsgefecht getötet.“ Ist die Trommel danach einfach geklaut worden? „Das ist nicht sicher. Denn leider steht in den Berichten nirgendwo, dass eine Trommel erbeutet wurde.“

Natürlich betrachtet man die Trommel im Museum anders, wenn man weiß, dass sie höchstwahrscheinlich geklaut und sein Besitzer getötet wurde. Was sich genau abgespielt hat, kann Kristin Weber-Sinn zwar nur selten ganz genau sagen. Dennoch sind ihre Forschungen für Museumsbesucher sehr wertvoll.

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