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Amelie und Sophie sind Pflegekinder

20.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Auf Amelies Matheheft stehen zwei Nachnamen: Schröder und Jansen. Das hat einen besonderen Grund. Die zehn Jahre alte Amelie heißt zwar eigentlich Schröder, so wie ihre Eltern. Aber sie lebt jetzt in einer anderen Familie: bei Karin und Gerd Jansen. Das sind ihre Pflegeeltern. Weil die schon drei Söhne hatten, hat Amelie jetzt auch noch drei Pflegebrüder. Inzwischen lebt auch Amelies Schwester Sophie in der Familie.

„Ich bin zu ihnen gekommen, als ich noch ein Baby war“, erzählt Amelie. Ihre Mutter wusste nicht, wie man Kinder versorgt. Deshalb haben die Behörden sie in die neue Familie gegeben. In Deutschland leben rund 40 000 Kinder in Pflegefamilien.

Seit einem Jahr wohnt auch Amelies Schwester Sophie bei denselben Pflegeeltern. Zuerst lebte die jetzt 14-Jährige im Kinderheim. „Das ist wie Kindergarten, nur dass man (. . .) nie nach Hause geht. Das war nicht schön“, sagt Sophie. Später kam sie zu ihrem Vater. Aber nach einigen Jahren heiratete der eine neue Frau – und die war für Sophie wie eine böse Stiefmutter im Märchen, sagt sie.

„Als mein Halbbruder älter wurde, hat die neue Mutter nur noch mit mir geschimpft“, erzählt Sophie. Deshalb wollte sie auch zu Karin und Gerd. „Hier geht es mir viel besser.“ Alles ist so, wie Sophie sich das in einer Familie vorstellt: „Meistens verstehen wir uns gut. Wenn es mal Probleme gibt, werden die angesprochen.“ Natürlich wird auch gestritten. Amelie ärgert sich zum Beispiel, wenn ihre älteren Brüder länger fernsehen dürfen als sie. Oder wenn Karin meckert, dass Sophie nicht aufgeräumt hat. Alles ganz normal.

Eigentlich reden die beiden Schwestern nicht so gern darüber, dass sie Pflegekinder sind. „Höchstens mit guten Freunden“, sagt Sophie. Sie und Amelie sind zwar froh, dass sie in der Pflegefamilie leben, aber trotzdem macht es sie manchmal sehr traurig. „Weil ich Papa nicht mehr so oft sehe“, sagt Sophie. „Ich vermisse ihn schon sehr doll – und er uns auch“, sagt Amelie. Ab und zu treffen sie ihren Vater. „Darauf freuen wir uns immer sehr“, sagt Sophie.

Schwieriger ist es mit der Mutter. Zu dem Besuch alle acht Wochen haben die zwei weniger Lust. „Sie will, dass wir uns freuen und sie in den Arm nehmen. Aber das geht nicht“, sagt Sophie. „Ich habe sie einige Jahre nicht gesehen. Ich kenne sie nicht richtig.“ Für Amelie ist die Pflegefamilie jetzt ihr Zuhause: „Das hier ist meine Familie. Ich sage auch Mama und Papa“, erzählt sie. Sophie ergänzt: „Ich war zuerst die einzige von den fünf Kindern, die am Tisch saß und ,Karin‘ und ,Gerd‘ gesagt hat. Aber dann hab ich gefragt, ob ich auch ,Mama‘ und ,Papa‘ sagen darf. Und ich durfte.“ Für Sophie ist es jetzt so, als ob sie zwei Familien hat.

(Achtung: Alle Namen wurden von der Redaktion geändert. Ende 2005 gab es in Deutschland laut Bundesfamilienministerium 42 246 Pflegekinder. Diese Zahl ändert sich nur schwach.)

Ein Matheheft mit zwei verschiedenen Nachnamen liegt auf einem Tisch. Auch auf Amelies Matheheft stehen zwei Namen: Schröder und Jansen. Das hat einen besonderen Grund. Die zehn Jahre alte Amelie heißt zwar offiziell Schröder, so wie ihre Eltern. Aber sie lebt jetzt in einer anderen Familie: bei Karin und Gerd Jansen. Das sind ihre Pflegeeltern. Foto: Jens Ressing

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