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Alleskleber aus dem Meer

10.10.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Krrrawummm, schhhhh, krrrawummmschhhhh“ – mit großem Getöse donnert die Welle an die Felsen und zieht sich zischend ins Meer zurück. Sand, kleine Steine, Tang und Muschelschalen: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird mit dem Wasser weggesogen. Den Miesmuscheln allerdings scheint das Geziehe und Gezerre der Wassermassen nichts auszumachen. Ihre schwarz-blauen Schalen sind mit Haftfäden fest an die Felsen oder andere Gegenstände geklebt.

Miesmuscheln besitzen einen Kleber, der die Hersteller von Uhu, Pattex und anderen Marken neidisch machen könnte. Der Muschelkleber haftet nämlich auch unter Wasser extrem lange. Das klingt einfach. Tatsächlich hält es aber kaum ein künstlicher Klebstoff lange unter Wasser aus. Der angeklebte Henkel einer Tasse zum Beispiel bricht irgendwann wieder ab, wenn die Tasse oft in die Spülmaschine kommt.

Klebstoff-Experte Klaus Rischka aus Bremen erklärt das so: Die Teilchen des Wassers und die des Klebers kämpfen an der Klebekante um den besten Platz auf der Tassen-Oberfläche. Denn es klebt nur das, was sich auf einer Oberfläche ausbreitet. Das Wasser hat dabei einen großen Vorteil. Es bekommt mit jedem Spüldurchlauf Nachschub und quetscht sich zwischen Tasse und Henkel. So verdrängen die vielen Wasser-Teilchen nach und nach die Klebstoff-Teilchen.

Beim Miesmuschel-Kleber ist das anders. Die Teile dieses Klebers behaupten sich selbst bei starker Strömung prima gegen die unzähligen Wasserteilchen. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich einige von ihnen mit dem chemischen Stoff Eisen aus dem Meerwasser verbinden. Durch das Eisen halten die Klebstoff-Teilchen untereinander besonders fest zusammen. Versuche haben gezeigt: Die Klebfäden einer Miesmuschel hängen sich sogar an Oberflächen, an denen normale Klebstoffe keine Chance haben. Zum Beispiel an Teflon. Damit sind viele Bratpfannen beschichtet. Teflon ist extra so beschaffen, dass möglichst wenig haften bleibt – Miesmuschel-Kleber klebt aber trotzdem.

Miesmuscheln vom Untergrund zu lösen ist deshalb gar nicht so einfach. Allerdings hängt das auch davon ab, mit wie vielen Haftfäden, an denen der Kleber sitzt, sich die Muschel festhält. Sind es wenige, kann auch ein Kind die Muschel abrupfen. Sind es viele, brauchen selbst Erwachsene schon mal ein Taschenmesser.

Forscher interessieren sich brennend für die Miesmuschelsubstanz. Sie versuchen, die Teilchen nachzubauen. Das Problem: Die Klebteilchen der Muscheln sind relativ groß und verzweigt. Obwohl man ihre Bestandteile kennt, hat man es deshalb bisher noch nicht geschafft, sie künstlich herzustellen. Doch wenn es den Forschern eines Tages gelingt, gibt es einen neuen Superkleber.

Byssusfäden werden in einer Drüse der Miesmuscheln gebildet. Ihr oberer Teil ist biegsam, sodass der Faden durch die Strömung nicht abbricht. Dann folgt ein starrer Mittelteil und schließlich kommt ein abgeplattetes Ende mit besonders vielen klebrigen Molekülen. Fotos: Fraunhofer IFAM/Britta Pohl

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