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50 Sekunden im freien Fall

19.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Reporter berichtet, wie es ist, mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen

Wie fühlt es sich an, vom Himmel zu fallen? Reporter Cyril Costines hat es ausprobiert. Mit einem Fallschirm und einem Profi auf dem Rücken sprang er aus einem Flugzeug. Hier erzählt er, wie das war.

Reporter Cyril Costines und Tandem-Master Olaf Haubenreißer bei ihrem Tandem-Sprung mit der Take Off Fallschirmsport GmbH. 50 Sekunden lang brausten die beiden im freien Fall nach unten.  Foto: Take Off Fallschirmsport GmbH
Reporter Cyril Costines und Tandem-Master Olaf Haubenreißer bei ihrem Tandem-Sprung mit der Take Off Fallschirmsport GmbH. 50 Sekunden lang brausten die beiden im freien Fall nach unten. Foto: Take Off Fallschirmsport GmbH

(dpa) Durch ein kleines Fenster schaue ich auf die Welt unter mir. Kurz darauf brause ich im freien Fall durch die Wolken nach unten. Ein großer Fallschirm bremst meinen Körper nach etwa 50 Sekunden. Schon als Kind wollte ich fliegen wie der alte Popov in den Geschichten von Janosch. Jetzt weiß ich endlich, wie sich ein Sprung mit dem Fallschirm anfühlt.

Aber eins nach dem anderen: Durch einen Zufall habe ich die Chance bekommen, einen Fallschirm-Sprung auszuprobieren. Verschiedene Vereine bieten das in Deutschland an. Angst habe ich komischerweise nicht. Nicht auf dem Weg zum Flugplatz, auch nicht im Flieger nach oben. Es ist eher ein Kribbeln im ganzen Körper.

Außerdem ist mein Tandem-Master dabei: Olaf Haubenreißer, Spitzname Flirre. Tandem-Master wie er sind besonders geübte Springer. Flirre betreut Neulinge wie mich. Der Tandem-Master löst den Fallschirm aus und lenkt ihn. Ehe wir abheben, gibt er mir eine kurze Einweisung. Ich schlüpfe in einen Hosenanzug. Dazu stülpe ich mir eine Fliegermütze über, eine Schutzbrille und Handschuhe.

Mit Gurten bin ich mit Flirre verbunden. In einem dicken Rucksack hat er das Wichtigste versteckt: den Fallschirm. Flirre sitzt im Flugzeug hinter mir. Auf seine lässige Art erklärt er mir noch einmal die wichtigsten Schritte. Nach wenigen Minuten hält Flirre mir seinen Höhenmesser entgegen: 3000 Meter Höhe. Ich atme tief durch.

Kurz darauf sind wir auf 4000 Metern, es geht los. Durch die geöffnete Flugzeugklappe fuchtelt und heult mir der Wind entgegen. Aneinandergeschnallt robben wir zur Öffnung und hocken auf der Kante der Luke. Unsere Beine baumeln aus dem Flugzeug. Mein Körper fühlt sich an, als wäre ich ein ferngesteuerter Roboter: Meine Hände greifen in die Bügel des Sicherheitsgurtes. Mein Kopf legt sich zurück. Meine Beine winkeln sich unter dem Flugzeug an. Flirre und ich kippen kopfüber und stürzen hinab. In diesem Augenblick prasseln unglaublich viele neue und heftige Eindrücke auf mich ein.

Mit Wucht reißt es uns in die Tiefe. Es ist laut. Flirre tippt mir auf die Schulter. Ich löse meine Hände aus den Schlaufen und breite meine Arme aus. Mein Körper zittert. Ich schnappe nach Luft. Mit über 200 Kilometern pro Stunde brausen wir abwärts. Doch für einen Moment fühlt es sich so an, als stünde die Zeit still. Als wäre Flirre nicht mehr hinter mir. Und als wäre weit und breit nichts um mich herum. Ich bin hoch konzentriert.

Plötzlich öffnet sich der Fallschirm und bremst uns. Flirre und ich gleiten taumelnd hinab. Minuten verstreichen. Die Landschaft kommt immer näher. Erste Umrisse von Feldern sind erkennbar. Gekonnt steuert Flirre den Fallschirm zum Landeplatz.

Nun geht es Schlag auf Schlag: Bereit machen für die Landung! Keine zehn Meter mehr unter uns. Schnell die Beine anziehen. Hände in die Kniekehlen legen.

Mit dem Po bremsen. Geschafft! Flirre löst mich von seinem Gurtzeug. Wir lachen und klopfen uns gegenseitig auf die Schulter. Ich fühle mich pudelwohl. Eines ist mir sofort klar: So einen freien Fall möchte ich auf jeden Fall wiederholen.

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