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14 Tage zu Hause gefangen

02.07.2020 05:30, Von Kirsten Haake — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ennios Eltern haben sich mit dem Coronavirus angesteckt – jetzt muss die ganze Familie zu Hause bleiben

Mit dem Coronavirus hatten alle irgendwie zu tun. Zum Beispiel, weil niemand zur Schule durfte. Ennio aus Berlin kann gerade aber nicht mal vor die Tür. Denn seine Eltern haben sich angesteckt. Er erzählt, wie sein Alltag gerade abläuft.

Ennio in seinem Zimmer, wo er gern liest.  Foto: privat/dpa
Ennio in seinem Zimmer, wo er gern liest. Foto: privat/dpa

Vor Schreck hat sich Ennio erst mal unter einer Decke verkrochen. Da hatte er gerade erfahren, dass sein Vater sich mit dem Coronavirus angesteckt hat. „Das hat sich krass angefühlt“, erzählt der Achtjährige am Telefon.

Ennio mit seinem Hund Ganzo. Die beiden haben in der Quarantäne viel Zeit miteinander verbracht.  Foto: privat/dpa
Ennio mit seinem Hund Ganzo. Die beiden haben in der Quarantäne viel Zeit miteinander verbracht. Foto: privat/dpa

Sich direkt mit ihm zu treffen, das geht nicht. Denn seit die Familie die Nachricht von der Ansteckung bekommen hat, dürfen Ennio und seine Eltern für 14 Tage nicht mehr aus der Wohnung. Sie liegt mitten in der Stadt Berlin. Auch Ennios Mutter hat sich angesteckt, kam bei einem Test heraus.

Die Ärztin kam in Schutzkleidung zu Ennio ins Haus

So einen Test musste dann auch Ennio machen. Für ihn kam extra eine Ärztin nach Hause: mit Maske und Schutzanzug! Die steckte ihm eine Art Wattestäbchen tief in den Rachen. „Da am Zipfel, wo es sich anfühlt, als würde man kotzen“, erzählt Ennio.

Die Untersuchung ging zum Glück schnell. Richtig blöd war für Ennio jedoch, dass er vier Tage warten musste, bis er sein Test-Ergebnis bekam. Aber dann hieß es: negativ! Das bedeutet, nicht angesteckt. Aber raus darf Ennio wegen seiner Eltern trotzdem nicht. Zum Glück hatte er Geburtstag, kurz bevor das Coronavirus in die Familie kam. Viele Verwandte hatten ihm zusammen einen Lego-Roboter geschenkt.

„Den haben wir dann zusammengebaut. Das hat viel Zeit gebraucht“, erzählt Ennio. Seine Eltern konnten ihm helfen, weil sie sich nach ein paar Tagen von dem Virus erholt hatten.

Außerdem liest Ennio jetzt superviel. „Ich stehe immer früh auf. Dann lese ich die ganze Zeit. Dann frühstücken wir, und dann lese ich wieder.“

Er mag zum Beispiel die „Muskeltier“-Serie und Comics. Bis vor ein paar Tagen gab es auch noch Hausaufgaben. Aber jetzt sind Ferien in Berlin.Eigentlich klingt Ennio ziemlich fröhlich, als er von seinem Alltag erzählt. Aber er findet die Situation gar nicht gut. „Eigentlich war es fast nur doof. Ich vermisse, dass ich mit Freunden spielen kann und frei bin“, sagt er. Auch zur Schule würde er jetzt gern gehen.

Der Hund Ganzo ist noch jung und verspielt

Es hilft aber noch einer, dass die Zeit schneller rumgeht. Das ist Ganzo, der Familienhund. Der ist noch sehr jung und verspielt. „Mit dem Hund verbringe ich den ganzen Tag. Manchmal kuscheln wir. Oder Ganzo spielt mit meinem Schaf.“ Das Schaf ist ein altes Kuscheltier.

Manchmal tanzt Ennio auch, um sich die Zeit zu vertreiben. „Mein Vater ist Musiker, der zeigt mir immer neue Musik“, erzählt er. Und dann geht es wild zu. „Das sieht aus, als würde ich mich mit jemandem kloppen“, sagt Ennio und lacht.

„Wir haben auch viel gebastelt und zusammen ein Bananenbrot gebacken“, erzählt Ennios Mutter noch. Und es gab auch Streit. Das ist ja auch klar, wenn alle dauernd eng zusammen sind.

Bevor alle wieder wie gewohnt vor die Tür dürfen, müssen sie sich noch einmal testen lassen. Und dann? Ennio weiß schon, was er macht, wenn er wieder raus darf: „Als Erstes probiere ich mit Papa das ferngesteuerte Segelflugzeug aus, das er zum Geburtstag bekommen hat.“ In ein paar Tagen ist es so weit.

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