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Paulas Nachrichten

02.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dass viele Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz während der Corona-Pandemie auf der Strecke bleiben, diese Sorge treibt auch die Kreispolitik um. Vertreter der Kammern und der Agentur für Arbeit gaben im Kultur- und Schulausschuss des Kreistags einen Überblick und Erklärungsversuche, warum viele Ausbildungsplätze noch nicht besetzt sind.

Christoph Nold, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer im Bezirk Esslingen-Nürtingen, rechnet damit, dass im aktuellen und im kommenden Ausbildungsjahr insgesamt 30 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen sein werden als vor der Pandemie. Dies betreffe vor allem die kaufmännischen wie auch die gewerblich-technischen Berufe, in diesem Bereich ging die Zahl der Ausbildungsverhältnisse seit Beginn der Pandemie im März 2020 um die Hälfte zurück.

Die Zurückhaltung bei Betrieben sei jedoch nicht nur auf die pandemiebedingten Einschränkungen zurückzuführen. Vielmehr seien Transformationsprozesse insbesondere im gewerblich-technischen Bereich bereits seit einiger Zeit im Gange, Betriebe verlagerten bereits vor der Pandemie Produktionen ins Ausland. Die Pandemie beschleunige diesen Prozess aber offensichtlich.

Erstaunlich jedoch ist, dass nicht nur die Zahl der angebotenen Lehrstellen deutlich abgenommen hat. In noch größerem Umfang ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber zurückgegangen. So habe es im Kreis Esslingen Stand Ende Mai noch 1300 freie Ausbildungsplätze in 180 Berufen gegeben, berichtet Karin Käppel. Geschäftsführerin der zuständigen Agentur für Arbeit in Göppingen. Dabei sind die Schülerzahlen im Kreis stabil geblieben. Viele junge Menschen seien jedoch unentschlossen und teils zunehmend orientierungslos, so Käppel. Digital und online angebotene Ausbildungsbörsen reichten offensichtlich nicht aus, die bekannten berufsorientierenden Veranstaltungen und Praktika seien kaum mehr möglich gewesen. Auch herrschten Bedenken bei vielen, ob ihre schulischen Leistungen für das angestrebte Berufsziel ausreichen. Käppel möchte den jungen Leuten dennoch Mut machen, sich zu informieren und Gelegenheiten zu ergreifen, die Agentur für Arbeit stehe mit einem breiten Beratungsangebot zur Seite. Bei der Agentur geht man davon aus, dass sich die Bewerbungsphase wie im vergangenen Jahr etwas nach hinten verschieben und es bis in den Herbst hinein noch zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten für junge Menschen geben wird. Andererseits wird auch mit einer Zunahme der Zahlen bei Angeboten zur Weiterbildung und -qualifizierung gerechnet.

Den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt im Bereich des Handwerks mit seinen kreisweit rund 800 Ausbildungsbetrieben bezeichnet Kreishandwerksmeister Karl Boßler von der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen dagegen als insgesamt stabil. Corona-bedingte Auswirkungen wie etwa im Friseurhandwerk gebe es zwar, vor allem aber in den Baubranchen gebe es weiterhin eine starke Nachfrage nach Fachkräften.

Der Widerspruch zwischen Angebot und Nachfrage rührt seit vielen Jahren auch aus dem Unterschied zwischen beliebten Berufen und Mangelberufen, der sich durch die allgemein sinkenden Bewerberzahlen noch verstärke, so die Beobachtung der Arbeitsmarktexperten. Um das Beratungsdefizit abzubauen, gelte es nun, schnellstmöglich die zahlreichen Formate für Berufsorientierung wie Ausbildungsmessen und Angebote an den Schulen vor Ort wieder aufzugreifen, sofern es die Pandemielage erlaube. Auch Lernlücken müssten geschlossen werden.

Neue Berufsbilder eröffnen neue Chancen

Die Kammern und die Arbeitsagentur sind überzeugt davon, dass die Coronabedingten Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeits- und Ausbildungsmarkt aufgefangen werden können. Mit dem Ende der Pandemie werde es wieder eine hohe Nachfrage an Fachkräften geben, auch in weiterentwickelten Berufsbildern. Die Auswirkungen der Transformationsprozesse seien bislang jedoch schwer abzuschätzen. Sich schnell ändernde Berufsbilder und Anforderungen böten dabei auch Chancen. „Das gute Image der dualen Ausbildung muss weiter gestärkt und die Qualität gesichert werden“, betont  IHK-Geschäftsführer Nold. Kreishandwerksmeister Boßler dazu: „Eine betriebs- und wohnortnahe Beschulung ist von großer Bedeutung.“ Landrat Heinz Eininger versicherte, dass der Landkreis in enger Zusammenarbeit mit den Kammern, den Betrieben und deren Bedürfnissen sowie den Anforderungen in den einzelnen Branchen das schulische Angebot stetig anpasse und weiterentwickele.

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