Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

05.10.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

NÜRTINGEN. Die ersten beiden Bewohnerinnen sind gerade eingezogen. Stolz zeigt die 90-Jährige ihr neues Zuhause, das ihr der Sohn gemeinsam mit der Schwiegertochter liebevoll mit den vertrauten Möbeln eingerichtet hat: den Esstisch mit Fernseher gegenüber, die Sitzecke, die Schränke, das Bett mit der orangenen Tagesdecke, die liebgewonnenen Bilder und Gegenstände. Mit einigen dem Alter geschuldeten Einschränkungen war das Leben in der alten Wohnung zu unsicher geworden. Da kam das Angebot des Nürtinger Krankenpflegevereins (KPV) gerade recht: Mit der ambulant betreuten Wohngemeinschaft in der Katharinenstraße in Nürtingen bietet der KPV eine neue Wohnform für ältere Menschen mit leichtem Pflegebedarf an – eigenständig und doch behütet.

Die acht Einheiten mit Wohn- und Schlafbereich zwischen 18 und 37 Quadratmeter sowie jeweils einem eigenen barrierefreien Badezimmer sind alle frisch renoviert. Neu ist auch die offene Küche zum Gemeinschaftsraum. Die Mahlzeiten werden frisch zubereitet, die Bewohner können entscheiden, ob sie zusammen mit den anderen essen möchten oder doch lieber zurückgezogen in ihrem eigenen Wohnbereich.

Ein weiterer Aufenthaltsraum lädt zu gemeinsamen Aktivitäten wie Spielen, Singen, Handarbeiten ein. Der Garten mit Pavillons und lauschigen Schattenplätzen ist rollstuhlgerecht. Rund um die Uhr ist immer jemand da, der hilft: tagsüber eine Alltagsbegleitung, die auch gemeinsam mit den Bewohnern kocht und die Gemeinschaftsräume versorgt, nachts ist im Bereitschaftszimmer ein Ansprechpartner da, der im Notfall Hilfe holen kann. Für Pflegeleistungen und die hauswirtschaftliche Versorgung im eigenen Wohnbereich kann jeder Bewohner seinen eigenen Pflegedienst zur zusätzlichen Unterstützung wählen.

Bereits 2005 plante der KPV im Nachbarhaus eine Wohngemeinschaft für Ältere. Damals war wohl die Zeit noch nicht reif dafür, meint Vorstandsvorsitzender Werner Burbach. Deshalb wurde das kleine Pflegeheim in der Katharinenstraße mit einem Neubau erweitert – für insgesamt 18 Bewohner. Mit der Pflegereform von 2019, die nur noch Einzelzimmer zuließ, wären lediglich zwölf Bewohner untergekommen. „Nicht wirtschaftlich“, rechnet Burbach vor, „selbst für einen gemeinnützigen Verein wie den KPV, der keine Gewinne erwirtschaften muss“. Deshalb entschloss sich der KPV „schweren Herzens“, das kleine Pflegeheim zu schließen und das Haus mit acht großzügigen Zimmern für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Ältere umzubauen.

In den Büros unter dem Dach bleiben weiterhin die Verwaltung und der ambulante Pflegedienst. „Die Zeiten und die Bedürfnisse der Älteren haben sich geändert“, so Burbach, der deshalb eine wachsende Nachfrage nach neuen Wohnformen im Alter prognostiziert. Die ambulant betreute Wohngemeinschaft in der Katharinenstraße ist ein Baustein dafür.

Paulas Nachrichten