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Paulas Nachrichten

02.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mit manchen Menschen macht das Abstandhalten gar nix. Weil sie ihn nicht einhalten oder nicht einsehen wollen oder können, dass er nötig ist. Umfragen zufolge hält sich ungefähr jeder Zehnte nicht an die Abstandsregeln, die Hälfte davon sogar bewusst. Das sind dann in etwa die Leute, die sich zu den Corona(maßnahmen)gegnern zählen und bis vor Kurzem öffentlich ohne Maske und Abstand leider meist unbehelligt von Ordnungshütern dafür mit absolut abstrusen Weltverschwörungs-Erzählungen und Selbststilisierung als Opfer staatlicher Gewalt Lieder singend durch Hotspots marschierten („Oh, wie ist das schön!“) und gegen die Einschränkungen ihrer Grundrechte demonstrierten. Eine Veränderung ihrer Haltung zur Gesellschaft und ihren Mitmenschen ist tragischerweise nicht zu erwarten.

Haben die Lockdown-Maßnahmen Erfolg, zeigt sich für sie, dass Corona eben doch nie so schlimm (weil ohnehin nur eine Erfindung) war, wie „die da oben“ es „das Volk“ glauben machen wollten. Sollte das Bemühen mit dem Lockdown scheitern, zeigt sich für sie nur, dass die „Herrschenden“ das Spiel zur Knechtung der Menschen weitertreiben wollen.

Aber wir anderen, die wir uns redlich bemühen, das bisweilen recht unübersichtliche Regelwerk zu beherzigen, tun dies hoffentlich aus Einsicht in die Notwendigkeit und nicht, wie uns die Querdenker unterstellen, aus Staatshörigkeit oder weil unsere Hirne durch 5G-Strahlung gleichgeschaltet sind. Dabei ist ein Großteil der Leute sogar bereit, über das von den Behörden Geforderte hinauszugehen und nicht immer und überall nach einem Schlupfloch zu suchen. Was kann ernsthaft gegen einen Schnelltest angeführt werden, wenn man hochbetagte Verwandte im Pflegeheim besuchen will? Niemand verbietet Reisen, aber sind sie wirklich notwendig und vernünftig? Muss man Weihnachten mit fünf oder sogar zehn Leuten plus Kinder aus zwei Haushalten feiern, wenn man inzwischen weiß, dass die Hauptspreader private Kontakte sind? Viele finden sogar die Maßnahmen des sogenannten harten Lockdowns noch zu milde und fürchten, dass wir so der Pandemie nicht Herr werden.

Und doch, das nur durch einige kurze, scheinbar unbeschwerte Sommerwochen etwas aufgeweichte und wieder strikt erneuerte Distanzgebot zermürbt auch die Einsichtigen: Wie gerne hätte man wieder Besuch samt herzlicher Begrüßung und Verabschiedung und gemütlichem Zusammensitzen in den eigenen vier Wänden oder den ausgiebigen Tratsch ohne lästigen Mundschutz und ängstliches Abstandhalten. Sogar unbeschwertes Bummeln in Geschäften und Stöbern in den Auslagen werden schmerzlich vermisst, die Onlinebestellung ist dafür eben kein adäquater Ersatz. Dem oder der lange nicht Gesehenen freudig die Hand geben statt distanziertem Gewinke, jemanden herzlich in den Arm nehmen, sei’s aus Freude oder als Trost – das sind doch die grundlegenden Bedürfnisse, die den Menschen als soziales Wesen ausmachen, ganz abgesehen von gemeinsamen Unternehmungen mit mehreren bei räumlicher Nähe etwa beim Wandern oder beim Sport, Kulturgenuss in der Gemeinschaft, Festen oder auch gemeinsamem Tanz oder Gesang.

Das ist es, was schmerzlich vermisst wird und das wollen alle möglichst bald wiederhaben. Ob wir nach der Coronazeit wieder zu allen lieb gewordenen Gewohnheiten zurückkehren können, das steht noch dahin. Dass eine vernetzte und extrem mobile Welt auch die Risiken zur Krankheitsausbreitung potenziert, dürfte zumindest langfristig unser Reiseverhalten beeinflussen, vielleicht auch unseren Umgang mit der Natur. Was uns aber ausmacht und was zum Menschsein gehört, sind menschliche Nähe und emotionaler Austausch und die kann auf die Dauer keine Seuche beseitigen.

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