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Paulas Nachrichten

24.03.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Teststationen sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Damit Schüler und Lehrer zum Präsenzunterricht zurückkehren können, gibt es am Robert-Bosch-Gymnasium in Wendlingen seit mehr als drei Wochen Schnelltests. Das Max-Planck-Gymnasium zog wenig später nach und auch das private Härtling-Gymnasium lässt seine Schüler testen. Die Erfahrungen: positiv

WENDLINGEN/NÜRTINGEN. „Super, dann kann ich heute Nachmittag meine Oma besuchen“ – das war die Reaktion eines RBG-Schülers, der als einer der ersten vor etwas mehr als drei Wochen getestet wurde. Für Schulleiterin Karin Ecker, die die Freude des Jungen mitbekam, war das ein Zeichen dafür, wie sehr die Pandemie auch schon die Fünft- und Sechstklässler belastet. Keine allzu große Nähe, Masken, womöglich gar Homeoffice – viele Schüler, jüngere und ältere, fühlen sich abgeschnitten von der Welt. Die Tests ermöglichen es ihnen, unbeschwerter in den Unterricht zu gehen. Montags ab 9 Uhr wird am RBG getestet. Im Mensagebäude.

Von den 351 Schülern, die derzeit regelmäßig vor Ort Unterricht haben, ließen sich 268 testen, berichtet Peter Kirchmeier, stellvertretender Schulleiter am RBG. Die Tendenz sei steigend. Kirchmeier betont jedoch, die Tests seien freiwillig. Indes, er hält es für etwas problematisch, dass auch die nicht getesteten Kinder in der Schule sind. So schwinge ein Unsicherheitsfaktor stets mit. Im RBG werden Schüler einmal in der Woche getestet, den Lehrer hingegen stehen zwei Termine zur Verfügung. Denn die Termine die die Stadt anbietet, fänden zwischen 17 und 20 Uhr statt. Für Lehrer, die nicht am Ort wohnen und um 11.30 Uhr ihr Unterrichtspensum erfüllt haben, sei das nicht zumutbar, dann auf den städtischen Termin zu warten. Am RBG testet André-Philipp Renz von der Kastell-Apotheke. Für die Schule ist die Testerei ein enormer Aufwand. Aber er bringt eben eine gewisse Sicherheit. Und die Tests entbinden die Schüler nicht, im Schulgebäude Masken zu tragen. Medizinische Masken. „Wer keine hat, bekommt sie von uns“, sagt Schulleiterin Karin Ecker. Unterstützt wird die Testaktion von Lehrerin Christa Sebold. Sie ist gelernte Krankenschwester. Besser geht es also gar nicht. Mittlerweile ist sie voll im Geschehen, aber „anfangs fand ich es anstrengend, 50 Mal zu erklären, was passiert“, sagt sie. Ein dickes Lob gibt es von Lena: „Ich finde es obercool, dass die Schulleitung das organisiert hat“, sagt die Schülerin aus der 11. Klasse.

Dass im Robert-Bosch-Gymnasium getestet wird, erfuhr die Schulleiterin des Max-Planck-Gymnasiums, Petra Notz, von ihrer Wendlinger Kollegin Karin Ecker. „Gute Idee“, dachte sie sich. Und schon kam über die Eltern einer Schülerin, den Inhabern der Nürtinger Uhlandapotheke, das Angebot, solche Tests auch am MPG vorzunehmen. Das Angebot wurde flugs aufgegriffen und mittlerweile wird auch hier seit etwa drei Wochen getestet. Und es werden Lehrer ausgebildet, die Apothekenmitarbeiter bei den Tests zu unterstützen. Listen führen, Schüler holen, die Testzertifikate abstempeln – all das machen Lehrer heute schon.

In Aichtal werden Schulkinder jeden Alters getestet

„Am Anfang waren die Schüler etwas skeptisch, nicht nur die Kleinen, auch die Schüler der Kursstufen, von denen einige nun kurz vor der Abi-Prüfung stehen“, berichtet Notz. Was, wenn der Test positiv ausfällt? Jetzt so kurz vor der Prüfung? Jetzt, wo noch so viele Tests anstehen? „Mittlerweile wird jedoch der Mehrwert erkannt“, weiß die Schulleiterin. Ein positives Testergebnis gab es noch nicht.

Getestet wird auch am Nürtinger Härtling-Gymnasium. Und zwar in Zusammenarbeit mit der Adler-Apotheke aus Kirchheim. Seit Anfang März dürfen sich Lehrer ein Wattestäbchen in die Nase oder den Mund stecken lassen, seit zwei Wochen auch die Schüler. „Die Mitarbeiter der Apotheke kommen an den Testtagen in einem Kleinbus an und bauen in einem der Klassenräume ein mobiles Testlabor auf“, berichtet Schulleiter Timo Günther. Eine Krankenschwester macht die Tests zunächst bei den Schülern, dann auch bei den Lehrern. „Auch bei uns wird es sehr gut angenommen“, sagt Günther. Was auch an der Krankenschwester liegen mag, die die Tests sehr behutsam vornimmt, obwohl sie mit dem Stäbchen bis in den Rachenraum vordringt, wie Günther berichtet. Zweimal in der Woche finden die Tests hier statt. Freiwillig, wie an den anderen Schulen auch. Und die Schüler, das konnte er beobachten, sind dadurch sicherer im Umgang mit anderen Schülern geworden. Denn man wisse ja: Der Mitschüler neben mir ist auch getestet. Günther ist froh, das Angebot erhalten zu haben.

In Frickenhausen haben 89 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule an einem Test teilgenommen. Und zwar gleich am ersten Schultag nach der Rückkehr der Grundschüler und Schüler der Klassen 5 und 6 zum Präsenzunterricht. Jeder vierte Schüler nutzte also das Angebot. Binnen zweier Tage war in Kooperation und mit Unterstützung der Gemeinde mit der Kohlberger Firma digitallifecare eine Testmöglichkeit in der Festhalle im Erich-Scherer-Zentrum eingerichtet. Um allen Altersgruppen und persönlichen Vorlieben Rechnung zu tragen, können die Kinder zwischen einem Nasenabstrich, einem Nasen-Rachen-Abstrich oder einem Spucktest wählen. Die Testungen wurden mittlerweile auf Linsenhofen und Tischardt ausgeweitet.

Und auch Aichtal vermeldet, dass sich Schulkinder jeden Alters freiwillig und mit Einwilligung der Eltern testen lassen können. Für das Testzentrum habe das Land Baden-Württemberg Antigen-Schnelltest zur Verfügung gestellt. Weitere Test, vor allem auch für Kleinkinder hat die Stadt auf eigene Kosten bestellt. Eine Investition die sich lohnt, so Bürgermeister Sebastian Kurz, denn auch die Kinder müssten künftig mehr geschützt und getestet werden, um die Pandemie eindämmen zu können.

Die Kosten für die Schulen? Für die Lehrer werden sie vom Land übernommen. Wer für die Tests der Schüler finanziell aufkommt, wird am Härtling-Gymnasium gerade geklärt. Bei staatlichen Schulen springt die Stadt Nürtingen in die Bresche.

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