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Paulas Nachrichten

20.02.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Das Busunternehmen Bader Reisen in Grafenberg hat am Donnerstag beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Um rund ein Drittel sind vergangenes Jahr die Umsätze durch den Wegfall von touristischen Reisen eingebrochen, berichtet Geschäftsführer Sven Bader. Trotz der Insolvenz soll der ÖPNV-Betrieb aufrechterhalten werden.

GRAFENBERG. Die Hauptursache sei der coronabedingte komplette Ausfall touristischer Fahrten seit vergangenem Jahr, sagt Sven Bader im Gespräch mit unserer Zeitung. Das habe dazu geführt, dass weitere Punkte aus den vergangenen Jahren, die das Unternehmen finanziell bereits belastet hätten, nicht mehr hätten kompensiert werden können. Bader nennt eine Neuausrichtung der Gruppe 2014 im Zuge einer Nachfolgeregelung, bei der Geschwister vom Vater ausbezahlt worden seien. 2017 habe dann die europaweite Ausschreibung der Linienverkehre im ÖPNV dazu geführt, dass man im Bieterwettbewerb habe sehr knapp kalkulieren müssen. „Da waren die Busunternehmen ein Stück weit selber schuld, weil sie entsprechend niedrige Angebote abgegeben haben“, sagt Bader selbstkritisch. Doch seien das alles Punkte gewesen, die für sich genommen funktioniert hätten. Corona habe das Kartenhaus aber zum Einsturz gebracht. Die laufenden Fuhrparkkosten für die zehn Reise- und Fernbusse (Bader fuhr zwei Linien für Flixbus) könnten nicht mehr gedeckt werden.

Insgesamt hat Bader 31 Busse im Fuhrpark. 21 sind im Einsatz für den Linienverkehr. So ist Bader für fast alle Linien im Nürtinger Stadtgebiet unterwegs. 2018 hat Bader Reisen im Landkreis Esslingen den Zuschlag für die Linienbündel 7 „Nürtingen-Neuffen“ und 2019 in einer Bietergemeinschaft für das Linienbündel 9 „Kirchheim-Wernau“ bekommen. Auch im Metzinger Stadtverkehr fährt Bader eine Linie. Als ersten Schritt gehe es nun darum, diesen Linienbetrieb aufrechtzuerhalten, sagt der Tübinger Rechtsanwalt Dr. Michael Riegger, der vom Amtsgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurde. Nur hiermit könnten momentan Einnahmen generiert werden. „Dass Touristikfahrten weiter untersagt sind, erschwert das Verfahren“, so Riegger. Die Finanzierung für die zwei von Bader beauftragten Subunternehmen beim Linienverkehr sei sichergestellt.

Bieterverfahren für Linienbündel ebenfalls ein Knackpunkt

Die 69 Bader-Mitarbeiter, davon 45 festangestellte, erhalten ihren Lohn drei Monate lang über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur. Ein Teil der Belegschaft ist seit vergangenem Jahr in Kurzarbeit. Alle Mitarbeiter seien noch bei der Stange, berichtet Sven Bader.

Im Betriebsrat hofft man nun, dass Letzteres auch so bleiben kann. „Ich finde es tragisch, dass eine so alteingesessene Firma nicht aufrechterhalten werden kann“, sagt Betriebsratsvorsitzender Martin Dornis: „Wir hoffen, dass es eine Lösung gibt, alle Mitarbeiter weiterzubeschäftigen. Im Betriebsrat sind wir bemüht, dass es für alle Kollegen weitergeht.“ Für Dornis ist die Vergabe der Linienbündel an den günstigsten Bieter der Hauptknackpunkt für die finanzielle Schieflage, weil die es kleineren Unternehmen sehr schwer gemacht habe, in diesem Punkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Staatliche Finanzhilfen als Ausgleich für den Wegfall von Reisen habe man nur zu einem Bruchteil bekommen, berichtet Sven Bader auf Nachfrage: „Durch unseren Mischbetrieb war es schwierig, die Kriterien für die Hilfen zu erfüllen.“

Wie die weitere Zukunft des Unternehmens aussieht, würden nun die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter zeigen, so Sven Bader. Sein Bestreben sei, zumindest mit einem Teilbetrieb weiterzumachen. Ein Teil werde sicherlich verkauft werden. Einen Verkauf habe man auch vor der Insolvenzanmeldung ins Auge gefasst gehabt, aber es habe sich keine Lösung gefunden.

Sven Bader führt das Unternehmen in dritter Generation mit seinem Vater Hermann. Hermann Bader senior hatte die Firma 1929 gegründet, mit dem Kauf eines gebrauchten Lkw. Personenbeförderung war damals schon ein Thema. Mit einfachen Holzbänken auf einen Lkw montiert, wurden Gruppen zu kleinen Ausflügen befördert.

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