Paulas Nachrichten

05.10.2019 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

OBERBOIHINGEN. Wenn die exzellenten Musiker des Stuttgarter Trompetenensembles und der Organist der Klosterkirche Maulbronn, Thorsten Hülsemann, zu einer Trompeten-Gala bitten, weiß das Publikum, dass Großes erwartet werden darf. Das Benefizkonzert zugunsten der Behinderten-Förderung- Linsenhofen begeisterte gestern die Zuhörer in der voll besetzten evangelischen Bartholomäuskirche Oberboihingen durch strahlende Klänge, Präzision, Virtuosität und ein anspruchsvolles Programm.

Wie ein mächtiges Eingangsportal ertönt die Ouvertüre D-Dur des Barockkomponisten Johann Samuel Endler für drei Trompeten, Pauken und Orgel und (üb)erfüllt den Kirchenraum, der leider eine recht knallige Akustik aufweist. Die Zuhörer sind begeistert von den glasklaren Tönen und dem Zusammenspiel wie aus einem Guss, wobei der Organist stark gefordert ist, um im rasenden Tempo die richtigen Töne zu treffen.

Einen wohltuenden Kontrast zum opulenten und stürmischen Beginn bildet das Adagio aus Toccata, Adagio und Fuge BWV 564 von Johann Sebastian Bach für Orgel solo. Thorsten Hülsemann wählt für die ruhige Musik mit ihrer sanglichen Melodie die passende Registrierung, der Mittelteil hebt sich mit weichen Holzpfeifen wunderbar ab.

Die Sinfonia D-Dur aus dem Osteroratorium BWV 249 für drei Trompeten, Pauken und Orgel wird glanzvoll gestaltet. Ihre Größe und Erhabenheit passt gut zum Tag der Deutschen Einheit und die künstlerische Einheit verkörpert die hervorragenden Musiker allemal. Sie sind bis ins kleinste Detail aufeinander eingespielt, was zum Beispiel in der Terrassendynamik, den barocktypischen Abstufungen der Lautstärke, deutlich wird.

In Johann Sebastian Bachs Präludium et Fuga in C BWV 531 für Orgel solo brilliert Thorsten Hülsemann mit dem einleitenden Pedalsolo, schickt dann im vollen Werk Akkorde ins Kirchenschiff und lässt die Läufe mit bester Fingerfertigkeit perlen. Die Fuge wirkt etwas verhetzt und weist gelegentliche Temposchwankungen auf.

Bläser im Wettstreit mit der Orgel

Das Publikum erfreut sich nun erstmals an den Corni da caccia mit ihrem gegenüber den hohen Trompeten weicheren und tieferen Klang. Georg Philipp Telemanns Konzert F-Dur TWV 54.1 gibt den Künstlern Gelegenheit zu zeigen, was Konzertieren in seiner ursprünglichen Bedeutung (italienisch „concertare“) heißt, nämlich „wettstreiten“. Die Bläser treten in einen faszinierenden Wettstreit mit der Orgel, kurze eingeworfene Akkorde oder melodische Floskeln werden im Wechselspiel permanent hin- und hergereicht.

Während in den schnellen Sätzen die barocke Lebensfreude dominiert, das „carpe diem“, ist der zweite Satz „Grave“ von Schwermut geprägt, der düsteren Seite der Weltanschauung im Barock. Dissonanzen und chromatische Abwärtsgänge tragen zu diesem Ausdruck bei.

Nach vier Kompositionen aus dem Barock folgen nun drei aus der Romantik. Robert Schumanns Fuge B-Dur, op. 60, 6 über B-A-C-H für Orgel solo ist eine reizvolle Komposition. Mit dunkler, sparsamer Registrierung setzt das Fugenthema mit Bachs Namenspiktogramm ein

Dabei wabern ineinander verschlungene Melodielinien zu einem polyphonen Geflecht, das durch Hinzunahme von Registern, der Mixtur und Posaunen-bässen wie ein Brucknersches Riesen-Crescendo in eine fulminante Schlusssteigerung einmündet. Großartige Orgelkunst!

Letzteres gilt auch für Hülsemanns Interpretation der „Suonata all’Offertorio“ von Vincenzo Petrali, wo furiose Skalen, häufige Manualwechsel und die Vielfalt der Klangfarben wirkungsvoll aneinandergereiht werden. Der Klang der Königin der Instrumente gleicht in dieser Komposition stellenweise dem eines Symphonieorchesters.

Nach Felix Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ erklingt festliche Barockmusik, die D-Dur-Suite des Engländers Jeremiah Clarke, die an Georg Friedrich Händels „Wassermusik“ erinnert, ganz nach dem Motto des Konzerts „Tönet, Ihr Pauken!, Erschallet, Trompeten!“.

Die Geschäftsführerin der Behinderten-Förderung-Linsenhofen, Ramona Koch-Ludwig, richtet am Ende des Programms Dankesworte an die Musiker, die der Leiter des Ensembles, Joachim Jung, erwidert, ehe zwei folkloristische Zugaben aus Spanien und der Schweiz den Schlusspunkt des Konzertabends setzen.

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