Region

Ministerpräsident fühlt sich auf Anhieb wohl

29.12.2018, Von Lutz Selle — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Winfried Kretschmann nimmt sich bei seinem ersten Besuch beim Pfeffertagswiegen in Neuffen knapp zwei Stunden Zeit

Der Neuffener Nationalfeiertag am „vierten Weihnachtstag“ ist gestern ein ganz besonderer gewesen. Zum einen war es das Jubiläum des Pfeffertagswiegens, das zum 25. Mal in der Stadthalle über die Bühne ging. Zum anderen war es die Premiere von Winfried Kretschmann bei der Veranstaltung – und der Ministerpräsident fühlte sich in Neuffen sichtlich wohl.

Ein Teil der prominenten Teilnehmer beim Jubiläums-Pfeffertagswiegen: (von links) Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker, die Bundestagsabgeordnete Renata Alt, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Verband Region Stuttgart Ingrid Grischtschenko, Kappishäuserns Ortsvorsteher Dietmar Freudenberg, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Pfarrer Achille Mutombo und Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber.  Fotos: lcs
Ein Teil der prominenten Teilnehmer beim Jubiläums-Pfeffertagswiegen: (von links) Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker, die Bundestagsabgeordnete Renata Alt, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Verband Region Stuttgart Ingrid Grischtschenko, Kappishäuserns Ortsvorsteher Dietmar Freudenberg, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Pfarrer Achille Mutombo und Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber. Fotos: lcs

NEUFFEN. Wer einmal am Pfeffertagswiegen teilgenommen hat, der kommt immer gerne wieder. Im Vorjahr hatten die Bundestagsabgeordnete Renata Alt und Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber ihr Debüt auf der Waage in Neuffen gegeben und waren auch gestern wieder vor Ort. Diesmal gab es zwei weitere prominente Debütanten bei der Veranstaltung mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und dem Bundestagsabgeordneten der Grünen, Matthias Gastel.

Insgesamt haben 229 Personen ihr Gewicht messen lassen. Das sind 19 mehr als noch im Vorjahr. Dagegen ist das Durchschnittsgewicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesunken. Vor Jahresfrist betrug dieses 82,74 Kilo. Nun waren es nur noch 81,39 Kilo. Bei der Wertung des schwersten Mannes und der leichtesten Frau gab es hingegen im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderung: Hermann Setzer hielt exakt sein Vorjahresgewicht von 130,9 Kilo und ging damit erneut als Sieger über die Ziellinie. Neuer Zweiter wurde Veith Probst mit einer Steigerung um 27 Kilo auf 128 Kilo. Platz drei ging an den Vorjahreszweiten Rainer Schock mit 125 Kilo, womit er in den vergangenen zwölf Monaten knapp drei Kilo abgenommen hat. Das geringste Gewicht auf die Waage brachte ein weiteres Mal Silvia Heermann mit nunmehr 44,4 Kilo. In den beiden vergangenen Jahren hatte sie die Konkurrenz jeweils mit 46,1 Kilo gewonnen.

Willy Heinickel (links) hat wieder auf äußerst humorige Weise die aktuellen Ergebnisse des Wiegens vorgetragen.
Willy Heinickel (links) hat wieder auf äußerst humorige Weise die aktuellen Ergebnisse des Wiegens vorgetragen.

Auf die Bühne gerufen hat Waagmeister Willy Heinickel nach seiner wieder launigen und äußerst humorigen Ansprache diesmal aber nicht die Sieger. Um einmal andere Personen zu ehren, hat er sich drei Menschen herausgesucht, die gestern allesamt genau 66,6 Kilo gewogen haben: Sabine Schöllkopf, Inge Schall und Lukas Renz.

Zwei „politische Schwergewichte“ auf einer Waage: Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker und Ministerpräsident Kretschmann.
Zwei „politische Schwergewichte“ auf einer Waage: Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker und Ministerpräsident Kretschmann.

Auf das gleiche Gewicht haben es auch die Vertreter der zwei großen Kirchen gebracht: der katholische Pfarrer Achille Mutombo mit 84,8 Kilo und der evangelische Pfarrer Gunther Seibold mit 84,0 Kilo.

Inzwischen ist es bereits 25 Jahre her, dass der ehemalige Stadthallenwirt Dieter Kudermann die Spaßveranstaltung im Dienst der guten Sache ins Leben gerufen hat. Denn das Startgeld, das zum Verzehr der von Sponsoren gespendeten Speisen und Getränke berechtigt, kommt komplett der Weihnachtsaktion „Licht der Hoffnung“ der Nürtinger Zeitung zugute – und somit diesmal wieder sechs verschiedenen sozialen Projekten von Gruppen, Vereinen und Institutionen aus der Region. Das Team des Neuffener Forums Handwerk, das die Organisation des Pfeffertagswiegens vor über zehn Jahren übernommen hat und das Spendengeld mit zusätzlichen 1000 Euro aufstockt, hat dafür gesorgt, dass die Spendensumme in der 28. Saison von „Licht der Hoffnung“ noch vor dem Jahreswechsel die 100 000-Euro-Marke überschreiten wird.

Aber nicht nur deshalb ist das Pfeffertagswiegen jedes Jahr wieder am 28. Dezember eine schöne Veranstaltung. Viele nutzen die Gelegenheit, um sich in der Stadthalle zu treffen, gemütlich zusammenzusitzen und zu plaudern. Diesmal sogar mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem es so gut in der Neuffener Stadthalle gefiel, dass er fast zwei Stunden lang verweilte – ins Gespräch vertieft mit vielen Kommunalpolitikern wie dem einstigen politischen Gegner Jörg Döpper, dem Neuffener Vize-Bürgermeister mit Vergangenheit als CDU-Landtagsabgeordneter, den Kretschmann herzlich umarmte und im Scherz fragte: „Hat dein Weib dich hierhergehen lassen?“ Der CDU-Politiker revanchierte sich wenig später mit dem Spruch: „Du, Herr Ministerpräsident, ein Schwarzer am Tisch reicht nicht. Ich habe Verstärkung.“ Damit deutete Döpper auf den katholischen Pfarrer Achille Mutombo, mit dem sich Kretschmann genauso angeregt unterhielt wie mit Kappishäuserns Ortsvorsteher Dietmar Freudenberg, Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber, den Bundestagsabgeordneten Renata Alt, Michael Hennrich und Matthias Gastel sowie natürlich mit Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker. Dabei hatte Kretschmann angekündigt, nicht lange zu bleiben, weil er noch zur Feier des ersten Geburtstags seiner Enkelin Johanna müsse.

In einer kurzen Ansprache erläuterte Winfried Kretschmann, dass er bisher immer traditionell zum Silvesterwiegen nach Nürtingen gegangen sei. Diesmal habe er stattdessen die Einladung von Bürgermeister Bäcker nach Neuffen angenommen „in diese schöne Halle, die wir unterstützen werden bei der Sanierung“. Ihm gefalle die Architektur der Stadthalle, so Kretschmann. „Die Halle ist viel schöner als das Gerede über sie. Wir sollten die Dinge anpacken und investieren. Ab 2020 gilt die Schuldenbremse. Wir müssen sanieren, solange die Gelder noch da sind.“

„Die Stadthalle ist viel schöner als das Gerede über sie“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Zum Sinken des Durchschnittsgewichts haben auch einige Prominente ihren Teil beigetragen. So brachte Jörg Döpper mit 77 Kilo ein Kilo weniger auf die Waage als im Vorjahr. „Ich esse normal, aber ich trinke kein Bier, sondern Mineralwasser“, verriet er sein Rezept. Zudem achte er auf viel Bewegung – durch Sport und Gartenarbeit.

Knapp ein Kilo abgenommen hat auch Michael Hennrich mit nunmehr 90,2 Kilo. „Das ist eine Folge der politischen Wirren in Berlin, die mir den Appetit verdorben haben. Ich hoffe, dass das jetzt besser wird.“ Seit elf Jahren gehe er regelmäßig zum Pfeffertagswiegen. „Das ist ein schönes Event, das dazu motiviert, über Weihnachten Maß zu halten.“

Eineinhalb Kilo weniger verzeichnet Daniel Gluiber mit nun 80 Kilo. „Ich habe meine ganze Kraft in die Arbeit gesteckt“, erklärt er die Abnahme.

Matthias Bäcker erreichte mit 89,3 Kilo ein weiteres Mal sein Ziel, unter der 90-Kilo-Marke zu bleiben. „Wenn diese magische Grenze einmal überschritten ist, geht es schnell weiter hoch“, befürchtet der Schultes.

Renata Alt brachte mit 67,5 eineinhalb Kilo weniger auf die Waage als vor zwölf Monaten. „Wahrscheinlich hatte ich da schwerere Stiefel an. An den Kleidern kann ich nicht feststellen, dass ich abgenommen hätte.“ Zu großen Stress verspüre sie derzeit nicht. „Die Arbeit in Berlin macht mir viel Spaß.“ Und inzwischen habe sie auch eine Wohnung in der Hauptstadt gefunden, sodass sie nicht mehr im Hotel leben muss.

Dietmar Freudenberg hat mit 105,7 Kilo sein vor einem Jahr gestecktes Ziel verpasst, unter 100 Kilo zu bleiben. „Über Weihnachten habe ich drei Kilo zugenommen. Das geht auch wieder weg“, ist er sich sicher.

Matthias Gastel wurde übrigens bei seinem Debüt mit 66,3 Kilo gemessen.

Licht der Hoffnung