Nürtingen

Bescherung schon vor Heiligabend

24.12.2018, Von Lutz Selle — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Pianistin Fabiana Biasini und Cellistin Elena Cheah verzaubern die Zuhörer in der Nürtinger Kreuzkirche

Die italienische Weltklasse-Pianistin Fabiana Biasini ist bereits Stammgast beim Kulturprogramm im Rahmen unserer Hilfsaktion „Licht der Hoffnung“. Zum 15. Mal hat sie am Freitagabend ein Gastspiel in Nürtingen gegeben und dabei ihr treues Stammpublikum in die Kreuzkirche gelockt – ebenso wie die aus Amerika stammende Cellistin Elena Cheah, mit der sie ein bewährtes Duo bildet.

Fabiana Biasini und Elena Cheah.  Foto: Holzwarth
Fabiana Biasini und Elena Cheah. Foto: Holzwarth

NÜRTINGEN. Für die meisten Besucher war es nicht der erste Besuch bei einem Biasini-Konzert, für die anderen wird es nicht der letzte gewesen sein.

Das Konzert ermöglicht hat die Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit einer Spende über 3000 Euro. In der Pause haben die Kreissparkassen-Regionalbereichsleiter Heiko Kaiser (rechts) und Uwe Alt (Zweiter von links) den Spendenscheck überreicht an Senner-Verlag-Geschäftsführer Christian Fritsche (links) und Verlegerin Monika Krichenbauer.  Foto: T. Holzwarth
Das Konzert ermöglicht hat die Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit einer Spende über 3000 Euro. In der Pause haben die Kreissparkassen-Regionalbereichsleiter Heiko Kaiser (rechts) und Uwe Alt (Zweiter von links) den Spendenscheck überreicht an Senner-Verlag-Geschäftsführer Christian Fritsche (links) und Verlegerin Monika Krichenbauer. Foto: T. Holzwarth

Fabiana Biasini konnte es selbst kaum glauben, dass sie bereits vor 21 Jahren das erste Gastspiel in Nürtingen gegeben hatte. „Das ist nicht möglich. Ich bin doch erst 25 Jahre alt“, sagte die aus Rom stammende Musikerin, die inzwischen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen lebt. Und dann gestand sie den Zuschauern in der nahezu bis auf den letzten Platz gefüllten Kreuzkirche: „Ich liebe diese Halle und diese Leute.“ Es ist eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht. Das war nicht nur während des Konzerts zu spüren, sondern wurde auch am nicht enden wollenden Applaus mit stehenden Ovationen am Ende des Auftritts deutlich. Ohne eine Zugabe durften Fabiana Biasini und Elena Cheah die Bühne nicht verlassen. Und nachdem sie diese mit „Zapateado“ von Sarasate gegeben hatten, wobei Elena Cheah noch einmal ihr ganzes Können zeigte, forderten die Besucher eine weitere Zugabe – bis die Cellistin entschuldigend erklärte: „Wir haben nichts mehr.“

Zuvor hatten die beiden Musikerinnen in der Tat alles gegeben. Für die Besucher der Veranstaltung war es ein wundervolles Geschenk, eine schöne Bescherung noch vor dem Heiligabend. Denn Biasini und Cheah hatten eine immense Bandbreite klassischer Musik mitgebracht. Da war eigentlich alles dabei: mal ruhig und mal lebendig, mal leise und mal laut, dramatisch und harmonisch, traurige wie freudige Töne; langsame und bedächtige Passagen wechselten sich ab mit irrwitzig schnell gespielten Tonfolgen. Und wieder bewiesen die zwei Musikerinnen, dass sie zur absoluten Weltklasse der klassischen Musik gehören. Das wurde schon im ersten Stück deutlich, dem Adagio sostenuto ed espressivo aus der „Sonate für Violoncello Opus 5“ von Ludwig van Beethoven. Elena Cheah hatte die Zuhörer schon vorher darauf eingestimmt: „Es fängt ernst an. Aber keine Sorge, es bleibt nicht lange so. Später wird es fröhlich und humorvoll.“ So konnten sich die Besucher in der Kreuzkirche, unter ihnen auch Oberbürgermeister Otmar Heirich und Bürgermeisterin Annette Bürkner, bedenkenlos zurücklehnen, beim Zuhören entspannen und einfach die Musik genießen.

Als Zuschauer konnte man nur staunen, wie die Finger von Biasini über die Klaviertasten und die Finger von Cheah über die Cellosaiten flitzten. Erstaunlich auch das wahrlich blinde Spielverständnis der beiden attraktiven Damen, obwohl sie nicht regelmäßig zusammen auftreten. Obwohl Cheah den ganzen Abend über mit dem Rücken zur Pianistin saß und somit nie ein Augenkontakt möglich war, gelang der musikalische Dialog zwischen Flügel und Cello beim Rondo und Allegro der Beethoven-Sonate einfach perfekt. Die Belohnung war ein lang anhaltender Beifall, ehe Elena Cheah gestand: „Die Beethoven-Sonate ist auch meine Lieblingsmusik, besonders der Schluss vom Satz, wo sie so explodiert.“

Immense Bandbreite der klassischen Musik

Die Cellistin leitete damit gleich über zum nächsten Stück des Abends, dem „Märchen“ des tschechischen Komponisten Leos Janacek. „Er hat einiges gemeinsam mit Beethoven“, so Cheah. „Beide Komponisten haben keine Rücksicht auf die Spieler genommen – und sei es mit sechs Bs. Das hat ihn nicht interessiert. Beide Komponisten haben in ihrer eigenen Denkwelt gelebt.“ Biasini und Cheah wagten sich aber auch an diese schwere musikalische Literatur heran. Sie nahmen die Herausforderung mit Begeisterung an und begeisterten auch ihr Publikum ein weiteres Mal.

Nach der Pause nach 45 Minuten folgte noch eine weitere Stunde lang klassische Musik auf höchstem Niveau. Fabiana Biasini und Elena Cheah spielten „Waldesruhe für Cello und Klavier“ von Antonin Dvořák und ließen vier Sätze von Johannes Brahms „Sonate in F-Dur Opus 98“ folgen. Den vierten Satz des Werkes bezeichnete die Italienerin als „intensiv und meditativ“ zugleich. Aber auch diesen Spagat meisterten die beiden Musikerinnen hervorragend, sodass aus dem Publikum Stimmen zu hören waren mit „wunderbar“ und „super“.

Fabiana Biasini und Elena Cheah haben am Freitagabend ihre Fans ein weiteres Mal verzaubert und begeistert und neue Freunde dazu gewonnen. Die Nürtinger Zuschauer werden sie ein weiteres Mal sehen wollen und die Italienerin und die Amerikanerin, die seit 2014 als lehrende Professorin an der Hochschule für Musik in Freiburg tätig ist, werden auch gerne wieder in die Hölderlinstadt kommen. „Wir sind sehr gerne in Nürtingen“, bestätigte Elena Cheah nach dem Konzert. Und auch ihr Mann zeigte sich begeistert: „Das ist ein tolles Publikum. Es macht Spaß hier und es ist eine schöne Atmosphäre in der Kreuzkirche.“

Die nächste Veranstaltung des Festivals der Hoffnung ist am Sonntag, 6. Januar. Dann tritt ab 18 Uhr die Formation „Foaie Verde“ in der Festhalle Udeon in Unterensingen, Schulstraße 41, auf. Karten gibt es im Vorverkauf im Stadtbüro der Nürtinger Zeitung, Am Obertor 15, Telefon (0 70 22) 94 64-150. Infos zu allen weiteren Veranstaltungen und den unterstützten Projekten gibt es auf unserer Projektseite.

Licht der Hoffnung