Wendlingen

Keine Chance für ICE-Halt in Wendlingen

31.03.2018 00:00, Von Sylvia Gierlichs — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Im WZ-Exklusivinterview äußert sich der neue S 21-Technikchef Olaf Drescher zum Projektabschnitt des Albvorlandtunnels

Olaf Drescher ist seit 1. Februar S 21-Technikchef und damit auch verantwortlich für den Projektabschnitt der ICE-Trasse zwischen Wendlingen und Kirchheim. Im Interview mit der Wendlinger Zeitung ging es um Fertigstellungsdaten, die Große Wendlinger Kurve und sein mögliches neues Lieblingstier, die Eidechse.

Herr Drescher, erst im Dezember wurde die ICE-Strecke München–Berlin in Betrieb genommen – eine Strecke, bei der es etwa 20 Jahre dauerte, bis auch das letzte Teilstück zwischen Ebensfeld in Bayern und Erfurt in Thüringen fertiggestellt war. Man sagt, so richtig vorangegangen sei es erst, als Sie 2007 das Ruder übernommen haben. Sind Sie bei der Deutschen Bahn der Mann, der Großprojekte wieder in die Spur bringt?

Das müssen andere beurteilen. Die Herausforderungen an der Strecke durch den Thüringer Wald waren sicher andere als hier in Stuttgart. Doch ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Infrastruktur brauchen. Und ich habe schon den Anspruch, auch ein schwieriges Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen.

Stuttgart 21, Ende letzten Jahres wurde es öffentlich zugegeben, wird teurer und vor allem wird das Projekt später fertig. Auch an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm hinkt man dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Sie wird dennoch drei Jahre früher fertig als das Teilstück zwischen der Landeshauptstadt und Wendlingen. Es kursieren ja Überlegungen, die Neubaustrecke auch ohne den S21-Abschnitt in Betrieb zu nehmen. Über die Güterzuganbindung könnten die ICE auf die Strecke Tübingen–Stuttgart gelenkt werden. Wie realistisch sind diese Überlegungen?

Unsere Untersuchungen über eine Nutzung der Neubaustrecke auch ohne den S21-Abschnitt verliefen positiv. Dazu müsste die Güterzuganbindung genutzt werden. Um zu prüfen, wie sich die ICE in die Fahrpläne der Zugverkehre auf der Bestandsstrecke einfügen lassen, sind nun vertiefende und detaillierte Fahrplanuntersuchungen unter Beteiligung der verantwortlichen Aufgabenträger notwendig, so auch mit dem Land Baden-Württemberg. Der Beginn der Gespräche ist in Kürze geplant.

Die Idee, die ICE könnten sich gemeinsam mit S-Bahnen und diversen Regionalbahnen auf der Bestandsstrecke tummeln, löst nicht überall gleichermaßen Begeisterungsstürme aus. In Wendlingen fordert der Bürgermeister, dass die Stadt für diesen Fall mit weiteren Lärmschutzmaßnahmen ausgestattet wird. Nach seinem Dafürhalten könnten die ICE dann auch gleich am Wendlinger Bahnhof halten, um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Was sagen Sie?

Die Veränderung der Lärmsituation wird in diesem Fall falsch eingeschätzt. Die ICE sind die Züge, die den wenigsten Lärm verursachen. Sie sind mit moderner Fahrwerkstechnik ausgestattet. Es sind eher die Regionalverkehrsfahrzeuge, die man hört. Die allerdings frequentieren die Strecke Tübingen–Stuttgart bereits heute. Einen Grund für eine Verstärkung des Lärmschutzes sehe ich daher nicht.

Olaf Drescher ist seit 1. Februar der stellvertretende Geschäftsführer der DB-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm, verantwortlich für das technische Projektmanagement. Foto: sg
Olaf Drescher ist seit 1. Februar der stellvertretende Geschäftsführer der DB-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm, verantwortlich für das technische Projektmanagement. Foto: sg

Für einen ICE-Halt in Wendlingen sehe ich keine Chance. Das Fernverkehrskonzept der Deutschen Bahn sieht einen ICE-Halt nur für Städte ab 100 000 Einwohnern vor. Ich gehe nicht davon aus, dass Wendlingen eine derart signifikante Nachfrage für den Fernverkehr vorbringen kann.


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