Leserbriefe

Abriss die beste Lösung?

14.03.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Friedrich Buck, Weilheim. Als das Hölderlin-Gymnasium noch mit unzureichenden Räumlichkeiten in der Stadt war, war ich Schüler einer Klasse, die zeitweise ihr Klassenzimmer im Hölderlinhaus hatte. Vom Fenster aus konnte man Wasserbomben auf Passanten in der Neckarsteige werfen, an den Säulen angebrachte Spickzettel unauffällig einsehen und in der Pause beim Café Lorch einen Datsch (Laugenwecken mit Schokokuss) kaufen. Nach dem Nachmittagsunterricht besorgte ich bisweilen Zucker im Supermarkt nebenan und manchmal benötigte ich eine neue Hose, die es mit der weltbesten Beratung beim Hosen-Maier zu kaufen gab.

Dass in unserem Schulgebäude auch Hölderlin gewohnt hatte, war mir damals nicht bewusst, aber dieses in die Steige hineinragende Gebäude mit den steinernen Treppen, teilweise grünen Terrassen und Mauern prägt für mich das Bild dieses Ortes. Mit einem Abriss geht ein Stück Stadt- und Schulgeschichte und auch Heimat verloren. Diese Atmosphäre wird ein Neubau lange nicht ersetzen, und wo fahren wir nicht überall hin, um Orte mit Flair zu erleben?

Eine Fortsetzung der Gebäudereihe NC, Volksbank, Kreissparkasse, Passage 33 raubt der Stadt, die nicht nur einem Hölderlin Heimat war, sondern vielen ehemaligen Schülern und Bürgern war und ist, Beziehung und Lebensqualität. Die Kosten für eine Sanierung des Gebäudes wurden zunächst auf 225000 Euro geschätzt, später vorsichtig mit mehr als 1 Million Euro angegeben, und in der Nürtinger Zeitung vom 1. März wurden 2 Millionen Euro genannt. Die Kosten für einen Neubau an dieser Stelle wurden bisher nicht beziffert. Ein detaillierter Kostenvergleich, der auch ein Abspecken von wünschenswerten, aber teuren Details zulässt, ist für eine fundierte Entscheidung unerlässlich. Und wenn eine deutliche Preisdifferenz bleiben sollte, rechtfertigt diese einen solch gravierenden Eingriff ins Stadtbild?

Ist der Erhalt eines liebenswerten Stadtbildes vielleicht auch einen Mehraufwand wert? Sind Besucher, die aus Liebe zur Stadt kommen, nicht genauso willkommen wie die, die den Spuren Hölderlins nachgehen? Für die Hölderlin-Präsentation finden sich sicherlich auch Lösungen bei Erhalt der Gebäudewirkung.

Ich wünsche, dass die Tragweite des Eingriffs in das Bild der Neckarsteige und Umgebung erkannt wird und man mit viel Fantasie liebenswerte Lösungen für dessen Erhalt sucht.