Gesund

Gestörte Toleranz des Immunsystems

29.11.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Autoimmunerkrankungen

Autoimmun-Erkrankungen werden in der Medizin als ein eigenständiges Krankheitsgebiet zusammengefasst. Schätzungsweise zehn bis 15 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen.

Der Formenkreis dieser Erkrankun- gen ist vielfältig und kennzeichnet sich dadurch, dass das Immunsystem eine Abwehrreaktion gegen körperei- gene Antigene ent- wickelt. Die be- kanntesten Auto- immunkrankheiten sind Multiple Sklero- se, Hashimoto, Morbus Crohn, entzündliches Rheuma oder Schuppenflechte, aber auch Zöliakie und Typ-1-Diabetes. Heutzutage sind etwa 60 Autoimmunkrankheiten bekannt, und das Spektrum der erkrankten Organe ist groß. Das Risiko, gleich an mehreren dieser Krankheiten zu leiden, ist hoch. Wenn sich eine langanhaltende Immunantwort gegen körpereigene Antigene entwickelt, entstehen chronisch entzündliche Gewebeschädigungen.

Autoimmunerkrankungen können, je nach Erkrankung, jegliches Gewebe und sämtliche Organe angreifen. Daher sind ganz unterschiedliche Symptome möglich. Weil man eine Autoimmunkrankheit nicht ursächlich behandeln kann, begleitet sie den Erkrankten meist ein Leben lang.

Welches Gewebe angegriffen wird, hängt von der Art der Immunerkrankung ab. Normalerweise geht das Immunsystem nur gegen körperfremdes Material vor, das für den Organismus schädlich sein kann, also vor allem Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze.

Körpereigene Strukturen erkennen und tolerieren die Abwehrkräfte dagegen. Bei einer Autoimmunkrankheit gelingt diese Unterscheidung nicht mehr: Das Abwehrsystem hält bestimmte körpereigene Strukturen fälschlicherweise für fremd und versucht die vermeintlichen Eindringlinge zu zerstören.

Eine Autoimmunerkrankung ist keine Allergie

Eine Autoimmunerkrankung ist nicht mit einer Allergie zu verwechseln. Bei Allergien verhalten sich die Abwehrkräfte nämlich nicht autoimmun, sondern sie schätzen eigentlich harmloses Fremdmaterial als bedrohlich ein und reagieren dann übertrieben darauf.

Autoimmunkrankheiten sind auch nicht zu verwechseln mit Immunschwächekrankheiten wie beispielsweise Aids. Bei Aids haben Viren das Immunsystem niedergekämpft, sodass es langsam zusammenbricht. Deshalb: Immunschwäche.

Bei Autoimmunerkrankungen passiert genau das Gegenteil: Das Immunsystem ist überaktiv – hat sich aber irrtümlicherweise den eigenen Körper als „Feind“ ausgesucht.

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