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Die Kriegsgefahr ist nicht gebannt

01.06.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Zum Artikel „Eine Messe für den Frieden zelebriert“ vom 18. Mai. Diese Friedensmesse in der Johanneskirche war ein außergewöhnliches Ereignis. Ist doch das Thema dieses Anti-Kriegs-Werks von „beklemmender Aktualität“. Das begleitende Kunstprojekt war eine kongeniale Ergänzung zur Vertiefung der Musik. Jeder Konzertteilnehmer wurde mit einem Kriegsschicksal konfrontiert, das die Mitwirkenden (Schüler und Schülerinnen) als Gedenkfahnen aufgeschrieben hatten. Wer da war, hat gespürt, was Krieg ist und vielleicht, wie nahe wir dem Krieg zurzeit sind. Ausweglos?

Während Interessen-Gegensätze im Zivilleben – wenn nötig – von (Schieds)Gerichten gelöst werden, werden sie unter Staaten zu Feindschaften. Mit entsprechenden Feindbildern wird dem Volk die Verteidigungsnotwendigkeit begründet. Aus der gegenseitigen Rüstung – „nur zur Selbstverteidigung!“ – wird eine Gewaltspirale. Kann man mit dieser Gefahr bewusst leben oder bleibt nur die Verdrängung? „Warum denn nicht?“, sagen die einen. Schließlich hat das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“ seit 72 Jahren einen dritten Weltkrieg verhindert. Ist das etwa nichts?“

Um welchen Preis, frage ich. Wer weiß, dass wir vor 35 Jahren um ein Haar der Katastrophe entgangen sind? Die Atomraketen der USA und der UDSSR waren – bereit zum Gegenschlag – aufeinander gerichtet, der im Ernstfall nach maximal 15 Minuten erfolgen musste. Am 26. September 1983 ging im russischen Raketen-Abwehrzentrum völlig unerwartet ein Alarm ein. Der Leiter Oberstleutnant Stanislaw Petrow ist verunsichert, hält einen Fehlalarm für möglich, verweigert den Befehl zur Information von Staatschef Andropow und riskiert Kopf und Kragen. Ein nuklearer Schlagabtausch mit unabsehbaren Folgen wird dadurch verhindert. Petrows Intuition „Fehlalarm“ wird nachträglich bestätigt.

Er, dem wir so viel verdanken, wird in seinem Land weder geehrt noch bestraft, aber als unzuverlässig behandelt. Bei uns ist das dramatische Ereignis unbekannt. Was ist die Konsequenz aus dieser Geschichte, wenn wir sie nicht für eine Märchen halten? Sie kann sich morgen wiederholen. Die weltpolitische Lage ist heute nicht entspannter als damals. Die jährlichen Rüstungsausgaben, von SIPRI dokumentiert, in Milliarden beweisen es: USA 600, Russland 60, BRD 40. Was sagt es über den Zustand unserer Gesellschaft aus, dass die Staaten die Hiroshima-Bombe und die Kernkraftkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima offensichtlich nicht als Bedrohung der Menschheit wahrnehmen und deshalb die weltweite Ächtung der Kernkraftanwendung scheitern lassen?

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