Region

Die Texte zeigen religiöse Realität

30.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rosemarie Krockenberger, Nürtingen. Zum Artikel „Elias brach aus der Aufführung hervor wie ein Feuer“ vom 20. Mai. Vor 20 Jahren habe ich in unserem Schulchor in Waiblingen den „Elias“ mitgesungen, mich an der großartigen Musik erfreut und mich über die Texte einiger Chöre empört. In intensiven Gesprächen mit Chorleiter und Mitsingenden kam ich zu einem tieferen Verständnis der Eliasgeschichte. Schade, dass es dazu im Programm nichts zu lesen gab. Elias eifert um Gott, will den mörderischen Baalskult ausrotten und greift dabei selber zu mörderischen Mitteln. Aber wohin bringt ihn das? Zu tiefster Erschöpfung und Depression. Aus ihr führt ihn Gottes Engel heraus und Elias geht zum Berg Horeb, wo er eine Gottesbegegnung hat. Was erfährt er in dieser bewegenden Begegnung mit Gott? Gott ist nicht im Sturmwind, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer. Er kommt im stillen, sanften Säuseln. „Und in dem Säuseln nahte sich der Herr.“ Wie die Geschichte uns lehrt, ist keine Religion, vor allem keine mit einem Absolutheitsanspruch, vor der Versuchung gefeit, das ihr als richtig Erscheinende mit Gewalt durchzusetzen, sofern sie die Macht dazu hat. Der Evangelist Lukas erzählt, wie auf dem Weg nach Jerusalem Jesus und seine Jünger in einem Dorf in Samaria abgewiesen werden, als sie Herberge suchen. Jakobus und Johannes sind darüber so empört, dass sie Feuer auf das Dorf regnen lassen wollen, „wie Elias tat“. Aber Jesus verwehrt es ihnen mit den Worten: „Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“Noch heute bin ich nicht versöhnt mit den schrecklichen Texten einiger der Chöre im „Elias“. Aber sie zeigen uns eine religiöse Realität und sind insofern gar nicht nur von historischer Bedeutung.

Region