Nürtingen

Zwei-Meter-Gabeln

19.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Drogenrausch und Freiheitsdrang. Ein bisschen Liebe, ein bisschen Rockmusik, von Revolution keine Spur. Die letzten Tage des Jahres 1968 brachten der Menschheit den Chopper und die Schönheit der nordamerikanischen Landschaft nahe: Heute vor 40 Jahren wurde in vielen amerikanischen Kinos der Film „Easy Rider“ uraufgeführt. Zwei Drogendealer holen sich buntlackierte Motorräder der Marke Harley-Davidson, deren Vorderradgabeln rund zwei Meter lang sind, und machen sich auf den Weg von der mexikanischen Grenze nach New Orleans. Unterwegs treffen Peter Fonda und Dennis Hopper auf Jack Nicholson, der einen versoffenen Juristen („nick, nick“) mimt, reisen über die Dörfer des Bible Belt und treffen auf fundamentalchristliche Kommunarden, konservative Kleinstädter. Der Jurist wird im Schlaf erschlagen, die beiden Hauptprotagonisten werden am Ende von zwei Rednecks aus dem Pick-up heraus erschossen. Die Musik von Steppenwolf, den Byrds und anderen damals populären Bands dient als Untermalung des Biker- und Hippie-Epos. Die Idee zu „Easy Rider“ kam Fonda und Hopper nach deren gemeinsamer Arbeit in „Der Trip“ von Roger Corman. Beide hatten schon vorher verschiedene „Motorradrocker“-Filme gedreht und wollten die Popularität der simpel gestrickten Action-Filme für ein ganz anderes, persönlicheres Werk nutzen. So entstand mit „Easy Rider“ ein Film mit relativ wenigen Dialogen, mit viel Untermalung durch zeitgenössische Rockmusik und im weiteren Sinne ein bildhaftes Szenenspiel aus nonverbalen Kommunikationsformen. Es werden kaum Fakten und Hintergründe mitgeliefert, vieles bleibt Spekulation. Das Chopper-Design schlug danach bis auf die Fahrradindustrie durch und „Born to be wild“ ist noch heute fester Bestandteil auf jeder Biker-Party. heb

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