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Nürtingen

Trendwende

29.12.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Obst und Gemüse, Milchprodukte, frische Nudel- und Fertiggerichte, Sandwiches, Kaffee, Süßigkeiten und gekühlte Getränke. Supermarkt? Discounter? Nichts da! Die Rede ist vom typischen Angebotsprofil eines Museumsstückes, dem sogenannten Tante-Emma-Laden. Im Beurener Museumsdorf ist so ein Ding die Hauptattraktion, betrieben von ehrenamtlich tätigen Kräften, deren Arbeit im Verkaufen von Artikeln besteht, die eher den Charakter von Souvenirs als von Waren haben. Außerhalb des Museumsgeländes, sollte man meinen, gibt es diese Art von Läden, die einst für die Schnellversorgung der Bevölkerung in Stadt und Land mit Lebensmitteln zuständig waren, gar nicht mehr. Bis vor Kurzem war das auch richtig: Die Supermärkte und Discount-Geschäfte mit ihrer überlegenen Einkaufsmacht gruben den Einzelhändlern großflächig das Wasser ab, bis kaum ein Dorf mehr über eine eigene Versorgung mit Lebensmitteln verfügte. Es rentierte sich einfach nicht mehr, sich hinter einer Ladentheke die Beine in den Bauch zu stehen und durch die Schaufensterscheibe den Dorfbewohnern zuzusehen, wie sie ihre Kombis ins nächste Gewerbegebiet zu den Supermärkten auf der grünen Wiese lenkten. Doch Trends haben es an sich, dass sie sich umkehren können. So erinnerte man sich in so mancher ländlichen Gemeinde des Genossenschaftsgedankens und begann wieder innerdörfliche Versorgungssysteme aufzubauen. Beginnend mit dem gemeinsamen Anmieten einer Scheune, in der wöchentliche Bauernmärkte stattfinden sollten, fanden sich bald auch Menschen, die ihre Zeit und Arbeitskraft für kleines Geld zur Verfügung stellten, um dem Tante-Emma-Laden auch abseits der musealen Einrichtungen neues Leben einzuhauchen, was sich auch als probates Mittel zur Unterstützung der bäuerlichen Proteste gegen das Preisdumping der Konzerne erwies. So weit die gute Nachricht. Die schlechte: Die Konzerne haben die Trendwende erkannt und drängen auch in dieses Marktsegment.

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