Nürtingen

Tod an der Superga

04.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Man schreibt den 24. April des Jahres 1949. Im Stadion von Bari steht es 1:0 für die Gastgeber. Der Gegner des AS Bari heißt AC Turin und dem fehlt noch ein einziges Pünktchen, um sich bereits fünf Spieltage vor dem Saisonende als Italienischer Meister feiern lassen zu können. Nur wenige Minuten noch, dann wird der Schiedsrichter das Spiel abpfeifen, da schnappt sich Valentino Mazzola – er ist gleichermaßen Kopf und Seele der „Grande Torino“, wie das Team in ganz Italien genannt wird und als fast unschlagbar gilt – das Leder und erzielte das 1:1. Damit war die Italienische Meisterschaft entschieden – und in einem gewissen Sinn auch die im folgenden Jahr in Brasilien stattfindende Weltmeisterschaft. Denn Mazzolas Tor hatte Folgen. Vereinspräsident Ferruccio Novo, ein Lederfabrikant, war überglücklich und spendierte dem Team eine Flugreise nach Lissabon, wo er ein Freundschaftsspiel gegen Benfica Lissabon verabredet hatte. Auf dem Rückflug zerschellte die Maschine am Turiner Hausberg, der „Superga“, und alle Insassen fanden den Tod. Damit war nicht nur „Il Grande Torino“ vernichtet: Unter den 18 toten Spielern befand sich fast die gesamte aktuelle italienische Nationalmannschaft, die nur darauf wartete, im kommenden Jahr 1950 den 1938 errungenen Welttitel zu verteidigen. Wer hätte ihr den auch streitig machen sollen, die als Vereinsmannschaft bereits seit Beginn der 40er-Jahre das WM-System praktizierte, mit dem die brasilianische Nationalmannschaft 1958 den Rest der Welt in die Schranken wies? Nach der Trauerfeier schickte der AC Turin seine Jugendmannschaft zu den restlichen Spielen, die sich achtbar schlug und kein Spiel verlor.

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