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Standfester als gedacht

06.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Groß, blond und Europameister – mehr hatte Richard Dunn gar nicht aufzuweisen, als er plötzlich 1976 im großen Boxbusiness aufkreuzte. Große Siege? Keine! Olympische Medaillen? Fehlanzeige! Grandiose Niederlagen dafür zur Genüge. Alle Welt fragte sich, wie man so zu einem Titelkampf gegen eine Boxlegende wie Muhammad Ali kommt, wo doch selbst die europäische Szene von Urgewalten wie dem Spanier Urtain und den deutschen Blin und Mildenberger, ganz zu schweigen von Landsleuten des britischen Boxers Dunn wie Henry Cooper oder Joe Bugner dominiert wurde. Wie auch immer: Dieser Richard „Dick“ Dunn, geboren am 19. Januar 1945, lieferte dem Größten nicht eben das Ruhmesblatt, das sich dieser noch hätte an seinen bereits umfangreichen Lorbeerkranz hätte heften müssen. Trotzdem saßen am 24. Mai 1976 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher, um zu sehen, ob er nicht vielleicht doch zu der ersehnten „Great White Hope“ (der großen weißen Hoffnung) werden könnte, die man sich allmählich ersehnte. Nichts war’s! In der fünften Runde war der Brite „alle“. Und dabei hatte er dem Champ einen ehrenhaft mutigen Kampf geliefert. Viermal war er schon zu Boden gegangen, hatte sich immer wieder gestellt, fühlend, dass dies die Chance seines Lebens war. Der Lohn existiert heute noch, denn wessen erinnert man sich? Nicht des mittelmäßigen Siegers eines unbedeutenden Kampfes, wohl aber des Unterlegenen eines grandiosen Fights, und wenn er das nur dank des von Marketing-Spezialisten initiierten Hypes geworden ist. Nach Richard Dunn ist heute ein Sportzentrum in seiner Heimatstadt Bradford in Yorkshire benannt, während andere Gegner Alis vergessen, tot oder beides sind. Übrigens hat Muhammad Ali angeblich nach dem Kampf seine Boxhandschuhe dem Promoter des Kampfes geschenkt. In einem soll gestanden haben „Ali gewinnt“, im anderen „in Runde fünf“. heb

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