Nürtingen

Höllen-Galopp

20.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Höllen-Galopp

Eine für Auge und Ohr großartige Nummer im letzten Akt der Operette Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach ist die Tanzszene. Sie spielt im verruchten Tanzsaal des Unterweltgottes und beginnt zunächst ganz wohlgesittet mit den zierlichen Schritten eines Menuetts in moderatem Tempo, so wie es dem tanzenden Göttervater Jupiter angemessen ist: Weil mein Schritt so leicht und mein Fuß so klein und so nett, nun, so tanz ich mit euch das neuste Menuett. Kaum ist dieser Tanz zu Ende, stürzt sich die ganze versammelte und vom Schampus schon beschwingte Götterschar in einen turbulenten Cancan. In der Operette heißt er galop infernal. Zeitweise wurde der Cancan sogar von den Pariser Behörden verboten, weil er so wild und anstößig war, zeigte er doch ganz frivol, was bisher verhüllt blieb: das weibliche Bein. Die gerafften Röcke wirbeln, die Beine werden hochgeworfen und in ausgelassenen Bewegungen toben die Tänzerinnen durch den Saal. Nach dem Ball spitzen sich die Verwicklungen in der Beziehungskiste des Bühnenwerks dramatisch zu. Wem wird Eurydike gehören? Jupiter? Pluto? Orpheus? Keiner darf Eurydike besitzen. Keiner ist ihrer Liebesleidenschaft gewachsen. Den Cancan singend, reiht sie sich jubelnd ein in den Kreis der trunkenen Bacchantinnen. Und mit dieser unsterblichen Melodie tanzt die Operette ihrem Schlussakkord zu. dcl


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