Nürtingen

Es ist der Wurm drin

25.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Das Problem ist bekannt: Der Boden des Nürtinger Waldfriedhofs ist zu feucht. Obwohl er in einem Gebiet angelegt ist, das aus gutem Grund „Wasserfall“ heißt, läuft dort das Wasser nicht ausreichend ab, bleibt im Boden und hemmt jenen Prozess, der dazu führt, dass der Mensch nach seinem Ableben wieder zu Staub wird. In Nürtingen wird er zu Wachs. Doch dagegen kann etwas getan werden. Nicht etwa, dass künftig Angehörige verpflichtet würden, nächtens mit dem Fön. . .  Nein, die Rettung naht vom Niederrhein. Genauer gesagt, aus Holland. Die „Dutch Nightcrawlers“ treten an, die Welt zu retten – zumindest den Teil davon, der unter zu hoher Rasenfeuchtigkeit leidet. Dabei sind die Nachtkrabben aus dem Nachbarland keineswegs angetreten, schwäbischen Nachwuchs im Schlaf zu erschrecken, auch sind die Nightcrawlers keine Wattenmeer-Ausgabe von „AC/DC“ oder den „Bandidos“, wie man dem seltsamen Eigennamen entnehmen könnte. Nein, der Drainagen-Hilfstrupp aus dem Beatrizenreich besteht aus einer großen Zahl speziell gezüchteter Regenwürmer im Maxi-Format. Das Trockenlegen solcher Extremfeuchtgebiete wie der Nordsee ist seit Menschengedenken eine Spezialität der geschäftstüchtigen Nachbarn aus den Niederlanden, da sollte es doch für die Regenwurmformation aus Almkerk ein Kinderspiel sein, ein den heimischen Warften nicht unähnliches Gelände auf lehmigem Grund zu entwässern, vorausgesetzt, die beinlosen „Kasköppe“ haben die Nacht vor ihrem Dienstantritt nicht in einem Coffee-Shop verbracht, sondern im Fußball-Stadion. Denn dort zeigen die Holländer für gewöhnlich, was sie eigentlich können. So auch die „Dutch Nightcralwers“. Und was die ganz besonders gut können, ist: Böden auflockern. 200 000 von den feingliedrigen Kriechgesellen auf einem dauernassen Fußballplatz ausgebracht, zeigen dem Platzwart, was eine Harke. . . – niemals könnte. Sechs Wochen dauert eine solche „Wurmkur“, die ungefähr 8000 Euro verschlingt. Doch die lohnen sich mehrfach: Nicht nur dass hinterher das Wasser durch das frisch gegrabene Kapillarsystem in die tiefer gelegenen Schichten des Erdreichs schießt wie nichts, auch gewinnt ein anderer Trainerkommentar nach einem verlorenen Spiel eine ganz neue Dimension, wenn es darin heißt: „Bei uns war eben der Wurm drin!“

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