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Nürtingen

Ein Erzdiplomat

23.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Entkerne grüne, schwarze oder gemischte Oliven. Dann mache sie folgendermaßen ein: Zerschneide die Oliven, füge Olivenöl, Essig, Koriander, Kreuzkümmel, Fenchel, Weinraute und Minze zu. Mache sie in einem Tontopf ein; das Öl muss alles bedecken.“ Schon in einem von dem älteren Cato (der mit dem „Cetero censeo“-Sprung in der Schüssel) überlieferten Rezept findet die Superknolle mit dem kümmelähnlichen Samen und dem lateinischen Namen Foeniculum Erwähnung, was nichts anderes bedeutet, dass schon die alten Römer Geschmack an jenem feinen Gemüse fanden, das den Vorteil hat, dass es auch roh ein Genuss sein kann. Seither hat es in fast allen gastronomisch einigermaßen entwickelten Regionalküchen eine saubere Karriere hingelegt. Vielen feinen Fischen gibt der Fenchel rund um das Mittelmeer das letzte Geleit, bevor sie in die Magengrube der Genießer versenkt werden. Doch der richtige Karrieresprung für den Fenchel ereignete sich erst vor Kurzem, als das Gemüse zur Arzneipflanze des Jahres ernannt wurde. Und damit wird die Geschichte politisch, denn diese Ehrung gilt einem ganz anders gearteten Talent des Sträuchleins: sein diplomatisches Geschick! Denn das Staatswesen Körper hat einen Innenminister, der auf unvernünftiges Handeln des Volkes häufig mit Rebellion, ja Putschversuchen reagiert. Um den wild gewordenen Oberbefehlshaber der Kampftruppen, sprich: Körperflüssigkeiten zu besänftigen, sodass er doch geruhen möge, diese im Zaum zu halten, schickt man nun den erfahrenen Unterhändler „Fenchel“ ins Gefecht. Statt im Kampfpanzer „Schnaps“ (Pastis) Zähne zu zeigen, begibt er sich mit dem Dienstfahrrad „Tee“ an den Ort der Unruhen, wo er unter Aufbietung seiner ganzen Überredungskunst und dem Versprechen der Regierung, so etwas nie wieder tun zu wollen, den Aufstand zurückdrängt. heb

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