Nürtingen

Am grünen Tisch

16.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Noch so’n Spruch – Kieferbruch“. Dieser Spaßguerillaspruch der eher dümmlichen Sorte lässt immerhin die Erinnerung an einen der dramatischsten Kämpfe der Boxgeschichte wach werden. Am 31. März 1973 erlitten die Comeback-Bestrebungen des Ex-Weltmeisters im Schwergewicht der Profis, Muhammad Ali, durch einen Typen namens Ken Norton einen herben Rückschlag. Zu Bruch gingen in diesem Kampf nicht nur Alis Hoffnungen auf einen schnellen Titelkampf gegen den inzwischen amtierenden Weltmeister George Foreman, sondern auch Alis Kiefer. Ken Norton stammte aus Jacksonville in Illinois, wo er 1943 zur Welt gekommen war. Schon in der Schule hatte der 1,98 Meter große Modellathlet so großen Erfolg, dass man seinetwegen eine Beteiligungsgrenze einzelner Schüler für die Leichtathletikwettbewerbe einführen zu müssen glaubte. Weil Norton in einem Jahr fünf der acht Disziplinen, für die ihn sein Sportlehrer angemeldet hatte, gewinnen konnte und in den drei anderen jeweils den zweiten Platz belegte, beschloss eine Schulkommission, die Teilnahme auf maximal drei Wettbewerbe zu beschränken. Nach einem weiteren Kampf gegen Ali, den Norton verlor, zog er im Titelkampf gegen George Foreman ebenfalls den Kürzeren. Doch der Wunsch des Universitätsabsolventen Ken Norton, Weltmeister zu werden, sollte sich doch noch erfüllen, Wenn auch nicht auf sportlichem Wege. Leon Spinks bekam den Titel aberkannt, weil er die Hierarchie der Herausforderer umgehen und Muhammad Ali einen unmittelbaren Rückkampf gewähren wollte. Norton wurde am grünen Tisch zum Champion erklärt und verlor den Titel aber bei der ersten Titelverteidigung. Der daraus resultierende Ruhm, der einzige Weltmeister gewesen zu sein, der nie einen Titelkampf für sich entscheiden konnte, mag zwar eher zweifelhafter Natur sein, doch dürfte das den ausgewiesenen Positiv-Denker Ken Norton nicht hindern, seine Präsenz in der „Boxing Hall of Fame“ zu genießen. heb

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