Leserbriefe

Wird ein Tal einfach ausrasiert?

31.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manfred Pahler, Aichtal-Grötzingen. Zum Artikel „Abholzen für mehr Sicherheit“ vom 23. Februar. Als wir vor fast 30 Jahren unseren Wohnsitz ins Aichtal verlegten, war der Freizeitwert vor den Toren des Schönbuchs ein maßgeblicher Gesichtspunkt. Auch Tausende von Radfahrern aus Nürtingen und dem Neckartal erlebten die Fahrt ab Oberensingen durch schönen und schattigen Wald ins Aichtal hinauf als Auftakt zum Naturerlebnis im Naturpark. Wer sich nun am Palmsonntag zu einem Spaziergang ins untere Aichtal aufmachte, dem bot sich entlang der L 1185 ein Bild der Zerstörung. Schon eine Woche nach Beginn der Verkehrssicherungsmaßnahme ist erkennbar, dass es nicht darum geht, einige pilzbefallene Eschen „entlang der Straße“ herauszunehmen, wie man aufgrund des Artikels glauben könnte.

Stattdessen wird das Tal von der Kläranlage an flussabwärts im großen Stil ausgeräumt. Der Holzeinschlag geht über weite Strecken bis zu 50 Meter weit von der Straße weg. Teilweise wird jeglicher Bewuchs zwischen Straße und Aichufer plattgemacht. Aspekte einer nachhaltigen Bewirtschaftung oder gar eine Berücksichtigung ökologischer Interessen sind nicht erkennbar. Ein Ausgleich in Bezug auf die Umwelt und den Freizeitwert für die Bevölkerung wird auf Jahrzehnte hinaus nicht möglich sein. Was bleiben wird, ist eine ausrasierte Landschaft mit einem Radweg, der im Sommer in praller Sonne an einer viel befahrenen Straße entlangführt. Man muss sehr ernst fragen, wie so ein Kahlschlag in der heutigen Zeit vertretbar ist – dazu noch im Wahlkreis eines grünen Ministerpräsidenten.

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