Leserbriefe

Von gefährlichen Dummheiten

21.09.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Die große Einschüchterung“ vom 18. September. Zurzeit wird die Welt von Dummheiten bewegt, das ist nahezu unvorstellbar. Das in den USA entstandene islamfeindliche Video ist an Dummheit nicht zu überbieten. Es gibt genug Biographien des Propheten Mohammed, sodass jeder, der es wissen will, wissen kann: Mohammed war ein ehrenwerter Mensch und eine der großen Gestalten der Weltgeschichte. Dass er mehrere Frauen hatte, eine davon erst 14 Jahre alt, ist nichts Besonderes, es war damals üblich; und in einer durch die vielen Kämpfe seiner Zeit männerarmen Welt war es ein Schutz für eine Frau, mit einem Mann verheiratet zu sein.

Diese Dinge in einem Filmchen zum Gegenstand einer Kampagne zu machen und das Produkt der Weltgemeinschaft über das Internet zugänglich zu machen, das überschreitet jedes Maß an Dummheit; zumal wenn man weiß, dass dieser Mann in einem Großteil der Weltbevölkerung höchlichst verehrt wird. Dafür gibt es nicht die Spur einer vernünftigen Erklärung – außer der höchst unvernünftigen: Hass säen. Die Reaktionen in den islamischen Ländern sind freilich verständlich – aber ebenso unvernünftig. Sie zeugen von einem erschreckenden Unverständnis für das Wesen von Freiheit, die doch eigentlich für alle Menschen ein hohes Gut ist. In einem einigermaßen freien Land kann nicht alles verboten oder gar verhindert werden, was dumm oder hässlich ist. Und einen großen Teil der Menschheit, eben „den Westen“, dafür verantwortlich zu machen, wenn ein Spinner Unsinn ins Internet stellt und ein paar Tausend das begeistert begrüßen und verbreiten, das ist ebenfalls höchster Unsinn.

Denn nicht „der Westen“ oder „die USA“ oder sonst ein Land haben das Filmchen hervorgebracht, sondern einige wenige Spinner, die man verachten darf und muss. Die, die Teile ihres Volkes zur Gewalt aufrufen, wollen ebenfalls nur eines: Hass säen. Ein Gipfel der Dummheit ist es nun freilich, wenn rechte Gruppen in Deutschland darum bemüht sind, das Filmchen auch bei uns zu verbreiten. Das gleicht der Freude eines kleinen, dummen Jungen, der sein Elternhaus anzündet und sich riesig freut, wenn er zusieht, was er da Tolles vollbracht hat. Nun sollten wir im ruhigen, vernünftigen, friedlichen Europa die Nase nicht allzu hoch erheben. Die Rassenlehre der Nationalsozialisten stand an Dummheit Obigem in nichts nach. Und es waren schließlich sehr viele, die heftigst „Heil! – Heil!“ geschrien haben. Ein Goebbels hat auch Hass gesät – und das trug Früchte: 55 Millionen Tote. So lange ist das noch nicht her. Aber vielleicht sind wir ja mit denen, die damals begeistert mitgemacht haben, gar nicht verwandt? Wer weiß?

Menschen sind anfällig – auch für die größten Dummheiten. Sie folgen offensichtlich gerne dem, der zum Hass aufruft. Darin liegt eine gewaltige Gefahr. Es ist aller Mühen wert, dem im Kleinen wie im Großen zu widerstehen. Dies wäre mein kleiner Beitrag oder ein Versuch dazu.

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