Leserbriefe

Stadt sollte Schulen gleich berücksichtigen

11.05.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Florian Bahnmüller, Nürtingen. Zum Artikel „Wird der Sanierungsstau zum Haushaltsproblem?“ vom 9. Mai. Man stelle sich vor, eine Mutter geht mit ihren vier Kindern in ein Kaufhaus. Sie entdeckt ein unschlagbares Angebot, 30 Prozent Rabatt auf zwei Hosen. Weil sie sich die Chance nicht entgehen lassen will, kauft sie für ihre vier Kinder zwei nagelneue Designer-Hosen, den anderen verspricht sie: „Ihr bekommt eure Hosen beim nächsten Mal.“ Leider bemerkt sie beim nächsten Einkauf, dass sie ihr Versprechen nicht mehr einlösen kann, weil sie kein Geld mehr hat.

Diese kleine Geschichte zeigt die prekäre Lage, in der sich der Nürtinger Gemeinderat am Dienstag befindet, dem unter Zeitdruck ein „Sonderangebot“ zur Abstimmung vorgelegt wird. Er muss entscheiden, ob er die Chance ergreift, für vier von 14 Schulen eine Komplett-Sanierung mit einem Eigenanteil für die Stadt von über 20 Millionen Euro zu beschließen.

Leider profitieren nur 2145 Schüler von den Sanierungsvorhaben. Die erhalten „Designer-Hosen“. 2380 Schüler – also 52,6 Prozent – erhalten dagegen gar keine Hose. Noch schlimmer: Aufgrund des leeren Geldbeutels werden sie in den kommenden Jahren auch keine Hosen bekommen können. Noch vor einem Jahr war jegliche Variante einer Sporthalle „zu teuer“, von der nicht nur das MPG, die Theodor-Eisenlohr-Schule und die Realschulen, sondern auch die Vereine profitieren würden. Seltsamerweise wird jetzt aber mehr Geld für die Feudal-Sanierung einzelner Schulen ausgegeben. Das könne man nicht vergleichen, so die Stadtverwaltung. Im einen Fall handle es sich um Sanierung, im anderen um Neubau. Leider wird hierbei vergessen, dass es sich um dasselbe, nicht vorhandene Geld handelt.

„Was brauchen meine Kinder, und wie viel kostet das insgesamt?“ Das ist es, was sich die Mutter fragen sollte, bevor sie für einzelne Kinder ihr ganzes Geld ausgibt. Ich hoffe sehr, dass der Gemeinderat nun nicht vor der Wahl und aus Angst vor schlechter Presse ein ungerechtes Sanierungsprogramm beschließt, das den Haushalt über Jahre blockiert und doch nur weniger als die Hälfte der Schüler abbildet. Ich bin überzeugt, dass die Gemeinderäte den Mut und den Weitblick haben, einen solchen Beschluss zu vertagen, bis ein Sanierungsplan vorliegt, der sich auf die notwendigen Maßnahmen beschränkt und alle „Kinder“ gleichermaßen berücksichtigt. Wer sich allerdings ein Denkmal auf dem Lerchenberg errichten will, sollte dem jetzigen Sanierungsantrag folgen.

Leserbriefe

Großer Forst und die Wahlen

Kuno Giesel, Nürtingen. Zum Artikel „Neuer Bauabschnitt sorgt für neuen Stau“ vom 21. Mai. „. . . zwischen Bahnhof und Nordtangente ging heute gar nichts mehr“. Man Stelle sich vor, Hugo Boss hätte doch auf dem Großen Forst gebaut und seine LKW-Flotte quält sich zusätzlich durch den Stau über…

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