Leserbriefe

Respekt gehört zur Demokratie

07.03.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. In den Leserbriefen der letzten Zeit scheint sich etwas einzuschleichen, das ich bedenklich finde: einige der Schreiber beginnen, Andersmeinende persönlich anzugreifen. Das sollte nicht sein, weil es nichts beiträgt zur allgemeinen Meinungsbildung. Diskussionen, der Austausch von Meinungen – das ist ein Wesensbestandteil der Demokratie. Niemand hat die volle Wahrheit gepachtet. Wer glaubt, absolut recht zu haben, der neigt zur Diktatur. Wenn früher verschiedene Meinungen lzu hart aufeinanderprallten, gab es ein probates Mittel, den Streit zu schlichten: das Duell (freilich vornehmlich in Ehrenfragen). Der, der überlebte, hatte halt recht. Ein ziemlich brutales Mittel. Heutzutage – wenigstens in demokratischen Ländern – werden unterschiedliche Meinungen in Diskussionen ausgetragen. Und da sollte nicht die Meinung siegen, die am kräftigsten, am beleidigendsten, vorgetragen wird. Die Diskussion, auch in Leserbriefen, ist ein Kampf um die richtigste Weise, ein Stück der Welt zu verstehen und zu verbessern. Und der, der eine andere Meinung hat, sollte das zur Kenntnis nehmen können und, wenn er will, halt widersprechen. Ein Kampf um Meinungen und Weltsichten. Nicht ein Kampf um absolute Wahrheiten, die es nicht gibt. Respekt auch vor dem Andersdenkenden ist eine urdemokratische Tugend.

Ich würde wiederholt vorschlagen, dass Leserbriefschreiber, wenn sie auf jemand antworten, nicht die Namen nennen, denn es geht nicht um Personen, sondern um Meinungen und nur die sollten angegriffen werden, nicht die Personen dahinter. Ein paar Beispiele: Unterschiedliche Meinungen: wenn da jemand am 1. März schreibt, Deutschland sei in einer katastrophalen Situation und auf diverse Missstände hinweist, so mag er teilweise recht haben. Es gibt ohne Frage Missstände, aber aufs Ganze gesehen würde ich doch behaupten, dass es Deutschland in seiner gesamten Geschichte noch nie so gut ging wie heute.

Und wenn ein anderer die guten Russen lobt und auf die bösen Amerikaner schimpft, dann sind es immer nur die jeweiligen Regierungen. Aber klar: die Regierungen beider Länder haben Gutes und Schlechtes getan, wie sollte es anders sein? Und ich möchte schon dazusetzen, dass ich lieber in einem westlichen Land unter der Führerschaft Amerikas lebe als in einem Russland unter Putin. Meine Meinung. Und wenn ein anderer Leserbriefschreiber „die Realität“ anders sieht als die Mehrheit und bemängelt, dass Zuwanderer und Flüchtlinge Geld vom Staat bekommen, obwohl sie nie etwas eingezahlt haben, so würde ich sagen, klar, wie sollte es denn anders sein? Brauchen wir denn nicht dringend Zuwanderung?

Leserbriefe

Jeder darf seine Meinung äußern

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Respekt gehört zur Demokratie“ vom 7. März. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von Demokratie. Leider ist dem nicht so, wie sich Herr Reinhardt Demokratie vorstellt. Sonst hätten die vielen, die im Kampf für die Demokratie alles einsetzten,…

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