Leserbriefe

Rauscher hat das Gerücht nur mitgeteilt

18.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Das ist üble Nachrede“ vom 14. Mai. Wie man mit dem Hörensagen umgehen kann, liest man beim Evangelisten Johannes im 18. Kapitel. Pilatus befragt Jesus nach dem Kern einer ihm zugetragenen Unterstellung: Du bist der König der Juden? Als Antwort kommt eine jüdische Gegenfrage: Sagst du das aus dir oder haben andere es über mich gesprochen? So etwa hätte unser Oberbürgermeister mit dem Gerücht umgehen können, für das er meinen Fraktionskollegen Rauscher öffentlich verantwortlich gemacht hat. Der Stadtrat hatte in privater Runde unter Stadträten berichtet, es gehe das Gerücht um, dem Verwaltungschef sei der Führerschein entzogen worden.

Wohlgemerkt: Rauscher hat kein Gerücht in die Welt gesetzt, sondern lediglich mitgeteilt, was ihm selbst zugetragen worden ist. Die Quelle des Gerüchts sprudelte tatsächlich ganz woanders. Darüber kann man sich entrüsten. Oder auch nicht.

Die Legende selbst stieß in der Runde eher auf amüsierte Skepsis, Kopfschütteln oder Gleichgültigkeit. Wie das eben mit Treppenwitzen so ist, auch in der Politik, und da ganz besonders.

Ich selber sagte tags darauf zu meiner Frau, stell dir vor, welche Story die Runde macht, bin mal gespannt, was da dran ist. Ein einbehaltener Führerschein ist für sich genommen keine ehrenrührige Sache. Genauso wenig wie ein Blitzfoto aus der Radarfalle oder eine Säumnisgebühr des Finanzamts.

Wenn jedoch ein ehrverletzender Grund ebenfalls kolportiert worden wäre – was aber entschieden nicht der Fall war –, wäre der Tatbestand der üblen Nachrede erfüllt gewesen. So aber bleibt es beim bloßen Gerücht, bei Klatsch und Tratsch, wie er täglich die Gespräche auf dem Markt befördert.

Erst recht nicht greift der Begriff Verleumdung, denn dieser setzt ausdrücklich eine wissentlich unwahre und ehrverletzende Behauptung voraus. Der bloße Bericht, welches Gerücht umgehe, reicht dafür nicht aus. Den eigentlichen Grund für diese weitere Runde im Schlagabtausch zwischen Oberbürgermeister Heirich und Stadtrat Rauscher findet man in politischer Unversöhnlichkeit. Davon weiß ich aber nur indirekt, sozusagen gerüchteweise.

Leserbriefe

Burka erniedrigt die Frauen

Elsa Neufeld, Nürtingen. Zum Artikel „CDU-Politiker Frei hält Burkaverbot für nicht machbar“ vom 12. August. Eine Burka ist für mich das abscheulichste und absurdeste Kleiderstück, das eine Frau zu tragen hat. Warum lässt unsere deutsche Verfassung ein generelles Burkaverbot nicht zu? Wen…

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