Leserbriefe

Oratorium „Elias“ und die Toleranz

23.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Elias brach aus der Aufführung hervor wie ein Feuer“ vom 20. Mai. Das Konzert in der Stadtkirche war sicher sehr schön. Ich war leider verhindert, aber meine Frau war sehr angetan. Dass die Musik von Mendelssohn-Bartholdy schlichtweg „super“ ist, steht außer Zweifel – ich habe sie mir gerade von der CD aus zu Gemüte geführt. Aber der Text! Schlimmer kann doch Anti-Toleranz nicht gepredigt werden. Zu den Priestern der anderen Religion fällt Elias nur eines ein: „Greift die Propheten Baals, dass ihrer keiner entrinne, führt sie hinab an den Bach und schlachtet sie daselbst!“.

Und dieser Elias ist der positive Held des ganzen Oratoriums. Eine schlimmere Botschaft können wir uns heute kaum denken: Tötet die Vertreter der anderen Religionen! Und auch die Gottesvorstellung, die hier verkündet wird, ist heute wohl nicht mehr haltbar: Gottes Milde und Güte wird hoch gepriesen – aber sie gilt nur für das eigenen kleine Volk, und das auch nur, soweit sich alle Gottes strengen Geboten völlig unterwerfen.

Für alle, die anderer Meinung sind, ist dieser Gott ein harter Rächer, ein grausamer Gott. Darf dergleichen heute noch unwidersprochen gesungen werden? Hier werden Verachtung und Tod verkündet. In allen drei abrahamitischen Religionen haben solche Einstellungen eine Rolle gespielt – gewiss nicht zu ihrem Ruhm, gewiss nicht zu ihrem und der Welt Wohl. Elias fordert die totale Unterwerfung unter den einzig wahren Gott – es darf keine individuellen Abweichungen geben. Nichts gegen eine Aufführung dieser herrlichen Musik! Ganz im Gegenteil! Aber können die Veranstalter nicht in einer kurzen, vorsichtigen Einführung vor dem Konzert – oder wenigstens im Programmheft – zu erkennen geben, dass sie einen Strich machen zwischen dem schlimmen Text und der herrlichen Musik? Was sollen die Andersgläubigen, die unter uns wohnen und leben, von uns denken, wenn solche Aussage, ja eine Aufforderung zum Töten, unwidersprochen bleibt? Dann könnte jedermann mit unbeschwertem Gewissen genießen. Manches von dem, was früher gängiger Glaubensinhalt war, muss doch wohl heute – in allen Religionen – neu überdacht und gegebenenfalls revidiert werden. Wie sollen/können wir sonst auf eine friedliche Zukunft hoffen? Elias kann kein Vorbild sein.

Leserbriefe

Warum wurde Freibad nicht früher geöffnet?

Friedhelm Horn, Rotenburg. Zum Artikel „Freibad öffnet Montag“ vom 10. Mai. Der Liebe wegen bin ich fast jedes Wochenende in Nürtingen. Ich bin passionierter Schwimmer und bin von der Qualität des Hallenbades und des Freibades in Nürtingen begeistert. Problem ist nur: Das Freibad ist nicht…

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