Leserbriefe

Nur heiße Luft

13.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dora Gerwig, Nürtingen. Bildung ist unsere wichtigste Ressource das erklären unsere Politiker in schöner Regelmäßigkeit. Die Lektüre der Nürtinger Zeitung in der letzten Woche zeigte überdeutlich, dass diese Erklärungen nur heiße Luft sind. Ich möchte hier nicht die unsägliche Diskussion über das dreigliedrige Schulsystem aufnehmen, sondern darauf hinweisen, dass die Sparpolitik unseres Landes die Schulen systematisch schwächt. Das fängt schon bei den Kleinen an. Man weiß, dass heutzutage ein hoher Prozentsatz von deutschen und Migrantenkindern sprachliche Defizite aufweist und damit schlechte Voraussetzungen für den Schulerfolg mitbringt. Auf schnelle Abhilfe ist jedoch nicht zu hoffen, weil die zuständigen Ministerien in absehbarer Zeit kein brauchbares Konzept zustandebringen. Dass Hauptschüler erfolgreich auf die Lehrstellensuche vorbereitet werden können, zeigt das Beispiel der Köngener Burgschule (Nürtinger Zeitung vom 7. Juli).

Doch halt dass es so weit kommen kann, dazu braucht es Ehrenamtliche, denn die hauptamtlichen Lehrer haben eine so hohe Unterrichtsverpflichtung in so großen Klassen, dass sie die vielen Schülerinnen und Schüler, die Förderbedarf haben, nicht mehr angemessen betreuen können. Einige Tage früher konnte man lesen, dass an Hauptschulen alle Arbeitsgemeinschaften gestrichen wurden, weil man die Lehrerstunden für den Regelunterricht benötigt. Gleichzeitig hat man 87 Prozent eines Jahrgangs junger, mit Steuergeldern ausgebildeter Hauptschullehrer in die Arbeitslosigkeit entlassen, stellt ihnen aber zynischerweise in Aussicht, dass ein paar von ihnen als Assistenten, natürlich geringer bezahlt, eingestellt werden könnten! Ebenfalls in Köngen, wie an vielen anderen Schulen, bieten ehrenamtliche Helfer Stützkurse, Hausaufgabenbetreuung, Lernbegleitung, sportliche Aktivitäten bis hin zum Verkauf von Essen an. Ja, wo leben wir denn? Sollte eine Schule nicht von Experten geführt werden?

Unsere Politiker rufen (mit Recht) nach Ganztagsschulen, für die sie jedoch nicht die Voraussetzungen schaffen wollen. Statt professioneller Betreuung durch Pädagogen sollen auch hier Ehrenamtliche einspringen, überall formieren sich Mensavereine, in denen (meist) Mütter Essen kochen, Sportvereine werden auf den Plan gerufen et cetera. Ich bin all diesen Menschen überaus dankbar für ihren Einsatz, finde aber trotzdem, dass es die Aufgabe des Staates ist, für angemessene Einrichtungen zu sorgen die nebenbei auch noch versicherungspflichtige Arbeitsplätze bereitstellen würden. Ein Blick auf die viel gerühmten Länder mit guten Noten bei Pisa (Kanada oder Schweden) zeigt doch, welche Rahmenbedingungen man für eine gute Schule brauchen würde.

Leserbriefe

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