Leserbriefe

Nürtingen ist so gut wie andere

16.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Nürtingen ist beim Ehrenamt Spitze“ vom 13. Mai. Die Stadtverwaltung behauptet wieder einmal, Nürtingen liege in Sachen Ehrenamt mit 47 Prozent weit vor dem Bund (36 Prozent) und dem Land (42 Prozent). Wie schon vor drei Jahren beruht das Nürtinger Ergebnis jedoch auf einem methodischen Fehler, den ich so lange beim Namen nennen werde, wie ihn die Stadtverwaltung ignoriert und die Nürtinger Zeitung nicht hinterfragt.

Die jüngste Umfrage wählte eine zufällige Stichprobe von 750 Personen. Das ist o. k. Der Fragebogenrücklauf war freiwillig, die Antworten also nicht verpflichtend. Das filtert die zufällige Stichprobe. Engagierte antworten nämlich eher als nicht Engagierte. Als Basis für ein Abbild der Gesamtbevölkerung sind die Rückmeldungen tendenziös und schwammig. Dieser Effekt wird durch das Thema der Umfrage selbst noch verstärkt. Die nachgeschobene freiwillige Teilnahme im Internet sollte die Umfrage stabilisieren. Ein Denkfehler, auch wenn die Internetumfrage angeblich getrennt ausgewertet wird.

Man nimmt auch nicht seinen Partner mit auf die Waage und teilt das Ergebnis durch zwei! Und drittens wird ein weiterer Filter wirksam: Die Teilbevölkerung mit Internetanschluss ist nicht durch alle Schichten gleich verteilt, kann also die Gesamtstadt nicht repräsentieren. Dennoch definiert OB Heirich über die aktuelle Umfrage den „klassisch Engagierten“, und stellt betrübt fest, „Alleinerziehende, Migranten und Minderqualifizierte“ gehörten noch nicht dazu, sie müssten erst noch gewonnen werden. Eine abenteuerliche Reihung, in Art einer Rasenmähersoziologie.

In meinem Studium galt die (erfundene) Gruppe „Soldaten, Hausfrauen und Allergiker“ als humoriges Beispiel für elastische Verfahren nach Art einer Gutsherrenstreichwurst: Die passt sich jeder Brotschnitte an. Das Institut Infratest dimap hat mir schon vor Jahren bestätigt, dass die großen Toleranzen bei freiwilligen Antworten schätzungsweise genau den Vorsprung ergeben, mit dem Nürtingen glaubt, die Nase vor den anderen zu haben. Nürtingen ist demnach nicht besser, aber durchaus genauso gut wie andere Städte. Reicht das nicht? Müssen denn unsere Hähne ihren Kamm immer noch ein Kikeriki höher über den Mist strecken?

Leserbriefe

Großer Forst und die Wahlen

Kuno Giesel, Nürtingen. Zum Artikel „Neuer Bauabschnitt sorgt für neuen Stau“ vom 21. Mai. „. . . zwischen Bahnhof und Nordtangente ging heute gar nichts mehr“. Man Stelle sich vor, Hugo Boss hätte doch auf dem Großen Forst gebaut und seine LKW-Flotte quält sich zusätzlich durch den Stau über…

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