Leserbriefe

Nüchterne Fakten

12.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Zum Leserbrief Wortwahl hat mich entsetzt vom 6. Juli. Deutschland pflegt zu allen seinen Nachbarn gute und freundschaftliche Beziehungen, nur mit Polen klappt das nicht. Warum? Das Warum festzustellen, ist keine widerliche Hetze, sondern der bescheidene Versuch, mit nüchternen Fakten die Ursachen zu ergründen. Dafür gibt es leider nicht nur schöne Worte. Im September 2004 schrieb ich einen Artikel über die Überdehnung der EU. Schon seit dieser Veröffentlichung haben sich die Polen besonders hervorgetan. Kaum war dieser umstrittene Massenbeitritt der Oststaaten vollzogen, ging Warschau auf Konfrontationskurs zur BRD. Es waren nicht einzelne Abgeordnete, die Wiedergutmachung in Milliardenhöhe einforderten, sondern die Mehrheit des Parlaments, das in freiem Volksentscheid von den Bürgern gewählt ist und deshalb die Meinung der Bevölkerung darstellen sollte.

Der Gipfel der Unverschämtheit war aber die Blockade zur EU-Verfassung der Kaczynski-Zwillinge. Die Quadratwurzel musste dabei herhalten, sogar die Toten wurden für die Stimmgewichtung herangezogen. Wenn behauptet wird, dass die Kritik an der Regierung wächst, wäre das auch für die allseits geachtete, fleißige Bevölkerung von Vorteil. Leider geht es mir wie dem Dichter, der sagte: Die Worte hört ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, denn gerade jetzt warnt Polens Vizeregierungschef Giertych vor dem neuen Grundlagenvertrag, der zum großen Teil von Deutschen bestimmt werde. Man findet darin nicht das geringste Zeichen von Einlenken und Entspannung. Polen wird von Leuten regiert, die nicht begriffen haben, um was es in Europa wirklich geht, und die auf der antideutschen Welle reiten. Noch 60 Jahre nach Kriegsende träumt man in Polen von Kollektivschuld und Erbfeindschaft. Aber das heutige Europa steht für Versöhnung statt Hass. Es ist ein Projekt der Generationen. Denn sonst zerfällt Europa wieder in seine alten Gegensätze mit seinen fürchterlichen Auswirkungen. Wer diesen Vorstellungen nicht folgen kann, muss so lange neutralisiert werden, bis er den richtigen Weg gefunden hat. Man kann dieses Wort auch wieder als Hetze bezeichnen, aber wegen einem Quertreiber wird man nicht die ganze Gemeinschaft aufs Spiel setzen. Auch bei der sogenannten Aufrechnung sollte man langsam zur Vernunft kommen. Denn auch wir haben forderungsreife Posten. Als ich im Frühjahr 1945 im Bereitstellungsraum Eckernförde die Elendsdampfer, von der anderen Seite der Ostsee kommend, landen sah, erfassten mich Wut, Zorn, Rachegedanken. Aber das ganze Leben ist ein ständiger Lernprozess. Dabei waren es noch die Glücklichen, die mit einem Koffer, wenn überhaupt, auf den Schiffsplanken Platz gefunden hatten. Alles andere blieb ostwärts der Oder. Auch daran sollte man einmal in Polen denken.

Leserbriefe

Manchmal macht googeln schlauer

Sem Schade, Wendlingen. Zu den Leserbriefen „Der deutsche Weg zum Klimaschutz“, und „Blauäugig oder einfach böse?“ sowie „Boris Palmer ist für mich kein Rassist“ vom 18. Mai. Man kann sich ja über den Konzern Google streiten, in puncto Recherche ist er aber unser Freund. Man kann sich in…

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