Leserbriefe

Miteinander statt Gegeneinander

01.10.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen. Zum Leserbrief „In der Nachbarschaft mal umschauen“ vom 27. September. Von Mahatma Gandhi (1869–1948), der durch hohe persönliche Lauterkeit und tiefe Religiosität die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Weltmacht gewaltlos erreicht hat, stammt das Zitat: „Seit undenklichen Zeiten ist es das Recht der Untertanen, einer Obrigkeit, die schlecht regiert, die Mitwirkung zu versagen.“

Die Meinungsäußerungen in diesen Tagen vermitteln den Eindruck, dass es bei der OB-Wahl am 9. Oktober darum geht. Interessant ist doch, dass sich trotz intensiver Suche kein Bewerber zur Wahl stellt, der die Kriterien von Helmut Hartmann erfüllt: Jurist oder Verwaltungsfachmann, der sich hochgedient hat, und so weiter. Stimmt das nicht sehr nachdenklich? Woran liegt das?

Nürtingen hat in der Region einen schlechten Ruf: Die Probleme, die Nürtingen wie jede andere Stadt hat, werden hier nicht miteinander angegangen, um sie zu lösen, sondern sie führen regelmäßig zu Streit. Nürtingen macht von außen den Eindruck einer zerstrittenen Stadt und jeder der Beteiligten gibt dem anderen die Schuld daran (Bürger, Gemeinderat, Verwaltung).

Deshalb braucht Nürtingen an seiner Spitze einen Menschen, der dies klar sieht und bereit ist, alles zu tun, damit aus dem Gegeneinander ein (fruchtbares) Miteinander wird. Versöhnung stiften – das ist keine Verwaltungsangelegenheit. Das heißt zuhören, Fragen ernst nehmen, ausgleichen, einen langen Atem haben. Um es anders zu sagen: Wir brauchen einen Menschen, der die Vision hat, dass das möglich ist. Wie das Klima an einem Gymnasium von dem/der Schulleiter/in geprägt wird, so spürt man in einer Stadt den Geist, der von dem/der Oberbürgermeister/in ausgeht. Das können leise Töne sein (nicht Aktionismus).

Wir Wähler sollten gut hinhören, wem wir genau das zutrauen.

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