Leserbriefe

Kulturförderung braucht neue Regeln

30.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Julia Rieger, Nürtingen. Zum Artikel „Kulturförderung transparent machen“ vom 27. Mai. Für den Club Kuckucksei wurde ein Dauerzuschuss beantragt, der abgelehnt wurde. Dieser Vorfall hat in der Tat aufgezeigt, dass in Nürtingen durch die Bemühungen der vergangenen Jahre, Kulturförderung in geregelte Bahnen zu lenken, manches übersehen wurde. Auf Anregung des Kulturforums, zu dem städtische und freie Kulturschaffende und -veranstalter sich zweimal jährlich treffen, wurde vor ein paar Jahren der Kulturfonds von „Dauerförderungen“ gesäubert. Hier handelt es sich um die Zuschüsse für Musikvereine im geringen Maße und Förderungen für Großprojekte wie das Gitarrenfestival und das „OpernAir“ – das ungefähr die Hälfte des Etats verschlang. Übrig blieben 10 000 Euro für Projekte, um die sich Vereine und Kulturschaffende bewerben – das Antragsvolumen ist mindestens dreimal so hoch wie das vorhandene Kapital. Hierfür wurde aus den Reihen des Kulturforums eine Jury gewählt und auch die Kriterien haben Beteiligte aus dem Kulturforum in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt entworfen und abgesegnet. Es wurde von der Stadtverwaltung und Politik darauf hingewiesen, dass der Kulturfonds für einmalige Projekte ausgewiesen sei.

Diese Kriterien haben aber zur Folge, dass eine Dauerförderung für Kulturvereine ohne Jugendarbeit nicht mehr vorgesehen ist. Im Falle des Clubs Kuckucksei kann man jedoch nicht von fehlender Jugendarbeit sprechen. Das Organisieren und Durchführen von jugendrelevanten Konzerten und Tanzveranstaltungen ist Jugendarbeit pur. Dies ist einer der wenigen Orte in Nürtingen, an denen sich Jugendliche und junge Erwachsene ehrenamtlich – bürgerschaftlich – engagieren. Die Civitas-Studie hat genau das bemängelt – bürgerschaftliches Engagement beziehe zu wenig junge Menschen mit ein. Auch ist die Sozialarbeit, die der Club Kuckucksei leisten muss, nicht ohne. Was genau unter „Jugendarbeit“ zu verstehen ist, kann bestimmt der Jugendreferent der Stadt Nürtingen oder der Stadtjugendring, bei dem der Club Kuckucksei auch Mitglied ist, erläutern. Es bleibt dem Club Kuckucksei offensichtlich nur übrig, sich einzureihen in die vielen anderen Kulturschaffenden, die sich jedes Jahr neue Highlights und Projekte ausdenken, und mindert damit deren bestehende Chancen auf Förderungen. Es bleibt die Hoffnung auf einen neuen Gemeinderat, der die Kulturförderungspraxis noch mal überdenkt, die Fördersumme des „Projekte“-Kulturfonds erheblich erhöht und die Alltagskultur und -struktur, die Ehrenamtliche in Nürtingen schon seit Jahren schaffen, über die Mietfreiheit hinaus auch finanziell würdigt.

Leserbriefe

Manchmal macht googeln schlauer

Sem Schade, Wendlingen. Zu den Leserbriefen „Der deutsche Weg zum Klimaschutz“, und „Blauäugig oder einfach böse?“ sowie „Boris Palmer ist für mich kein Rassist“ vom 18. Mai. Man kann sich ja über den Konzern Google streiten, in puncto Recherche ist er aber unser Freund. Man kann sich in…

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